Titelgrafik der Grünen Post

Unter dem Bild steht:

Stammgut Pantlitz, von Busch und Graben umgeben. Der neue Besitzer mußte sich vor allem eine richtige Zufahrtstraße bauen

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An diesen frommen Wunsch knüpfte sich ein seltsamer: seine Söhne hätten das Gut auszuknobeln. Die setzten sich auch hin, spielten einige Runden "Bock und Zippe" oder "Hamburger", und zunächst war Sohn Claus Philipp der Glückliche. Aber auch fleißiges Knobeln schützt schließlich nicht vorm Aussterben, und nunmehr ging Pantlitz auf die verwandten Barone von Mecklenburg über. Der letzte Baron von Mecklenburg starb 1916, seine Schwester bekam die Erbschaft, und 1920 wurde das Gut Pantlitz auf Grund des Reichs=Siedlungs=Gesetzes enteignet. Und jetzt strengt eine junge französische Komtesse, Enkelin der letzten Besitzerin, Klage auf Rückgabe ihres Erbes an - vor dem Internationalen Schiedsgericht in Paris. Sie kann das dort tun, weil ihre Mutter durch Heirat mit dem Marquis de la Rochebriant französische Staatsangehörige geworden ist.

Der alte Herr seufzte tief, als die Freunde zum bösen Ende der Geschichte gekommen waren.

Die Gruft mit altem Pantlitzer

Im düsteren Fichtenhain, nahe an der Pantlitzer Kirche, findet man die Familiengruft der Freiherrn von Mecklenburg. Der letzte männliche Sproß, Hugo von Mecklenburg, starb 1916. Die älteren Einwohner, wie hier einer zu sehen, können noch allerlei von den Baronen erzählen, die nur wenig Verkehr mit ihrer Umwelt pflegten.

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Aber schon im Februar waren die Scheunen leer, und seine Gnaden der Herr Baron saßen auch lieber in Berlin, wo ihn zarte Banden fesselten, welche allmählich so eng wurden, dass nach dem Tode des Baron Hugo (1916) ein junger Rechtsanwalt als illegitimer Spross mit in den Kampf um die Erbschaft eintrat.

Aber der Rechtsanwalt schied bald aus dem Rennen aus. Eine Schwester des verstorbenen Barons zog nach Kriegsende mit siebzehn Wagen voller kostbarer Möbel auf Schloss Pantlitz ein. Gebessert war gar nichts. Die alte Dame war völlig ungewohnt der Geschäfte dieser Welt, und ihre unverheiratete Tochter, eigentlich Regentin des Hauses, verband ihre Geschäfts=Unkenntnisse noch mit dem Gegenteil von dem, was man "volkstümlich" oder gar "gütig" nennt. Hugo selig hat sich bei einem Stallbau von 5000 Mark um einen lumpigen Zwanzigmarkschein mit seinem Baumeister entzweit (den er übrigens samt den Handwerkern im Gänsestall übernachten ließ). Hugo zahlte den armen Handwerkern grundsätzlich nur zu Neujahr - aber seine Nachfolgerinnen zahlten sehr bald überhaupt nicht mehr; im Jahre 1925 waren sie total pleite.

Schon fünf Jahre vorher war ihnen von ihrem schlecht bewirtschafteten Riesenbesitz zwei Güter - Todenhagen und Ahrenshagen - durch das Reichssiedlungsgesetz von 1919 enteignet worden. Das ergab sofort einen Prozeß, beim Kammergericht, beim Reichsgericht. Man berief sich auf die schwedische Staatszugehörigkeit, doch beide Gerichte wiesen die Klägerinnen zurück.

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Siedlungshäuser

Wo einst nur zwei Güter (Ahrenshagen und Todenhagen) inmitten weiter Flächen lagen und mehr schlecht als recht existieren konnten, sind heute 134 Bauernsiedlungen entstanden. Vorn im Bild das kleine "Format", mehr eine Arbeitersiedlung. Links eine der sonst üblichen Bauernsiedlungen mit etwa 50 Morgen Land

Jedenfalls - wer Mecklenburg und Pommern in einem Zuge durchstreift hat, der bleibt stehen, wenn sein über unendliche Flächen gleitender Blick plötzlich festhackt an einer wohl geordneten Straßen=Reihe mit schlichten Wohnhäusern und rechtwinklig angebauten Holzscheunen. Auf Steinwurf entfernt stehen diese Siedlungen, hinter ihnen rutschen die Felder in den Himmel.

Was die Großbauern in der Nähe sind - sie halten solchen "Kleinbesitz" für völlig lebensunfähig. Er ist lebensfähig, wenn sie arbeiten wie hier: der Knecht fährt und der Bauer lädt den Mist für die Frühjahrsbestellung und der Besucher wird eben am Dung=Haufen am Hof empfangen, kann und muß aufpassen, daß er nicht parfümiert wird.

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Schloss Pantlitz, etwas mickrig

Das kleine nette Parkhaus hier - das ist "Schloß" Pantlitz, wo bis zum Jahre 1925 die Baronin mit ihrer unverheirateten Tochter gewohnt hat. Sie konnte das Gut nicht halten; es wurde zwangsversteigert und niemand von den Erben hat heute noch ein Recht daran!


Der Oberamtmann - sein Besitz ist völlig ordnungsgemäß und unanfechtbar erworben - muß durch die falschen Gerüchte um Pantlitz einiges er dulden. Seine Freunde von nah und fern uzen ihn: Junge, hol die Koffer vom Boden!

Lachend erklärt der prächtige und nur seinen Arbeiten lebende Landwirt beim Mittagessen: "Ja wissen Sie, ich hatte schon nach Paris telegrafiert wegen der Waden= und Schulternmaße der französischen Komteß. Und gestern Abend haben wir nach altem guten Brauch geknobelt. Meinen Sohn Hans hat's getroffen. Er muß das Fräulein heiraten. Damit Ruhe um Pantlitz wird!"

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Viertausend Morgen nur zu zweihundert Mark gerechnet, Mademoiselle würde einen fetten Happen schlucken, ein kleines Milliönchen ihrer in Frankreich lebenden Familie zuführen.

Wir sind uns wohl in klaren: es geht hier nicht um irgendwelche Liebe zur heimatlichen Scholle (welche die Kleine nie gesehen hat), es geht hier nicht im Sinne des alten Knobel=Grafen um den altererbten Familiensitz.

Es geht um einige flotte Groschen in die freiherrliche Haushaltskasse, die in Cannes zu leicht geworden ist. Erleben wir das zum ersten Mal?

Ernst John   

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© Pfarramt Ahrenshagen, 2005

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