Zur Geschichte des Dorfes und seiner Besitzer

Kirche Pantlitz

Die Familie von Preen, die in unserer näheren Umgegend zuerst 1318 in Tempel bezeugt ist, dessen Gebiet noch 1296 als Mörder'sches Eigentum bezeichnet wird (4), ist vermutlich durch Einheirat in die Familie von Mörder hier ansässig geworden, denn die Urkunde von 1336 legt eine enge Verwandtschaft des Bertold von Preen mit den von Mörder nahe. Später haben die von Preen eindeutig Besitz in Pantlitz, Tempel und Wiepkenhagen.
Im 3. Viertel des 15. Jahrhunderts gerieten sie hier in Vermögensverfall (5) und ziehen sich auf ihre mecklenburgischen Stammgüter zurück. Als ihre Nachfolger in den genannten drei Dörfern sind die von Steinkeller anzusehen.
Neben den von Preen erscheinen seit Ende des 14. Jahrhunderts in Pantlitz als Gläubiger der von Mörder die von Dechow, deren pommerscher Stammsitz Pütnitz war (6).
 Im 16. und 17. Jahrhundert werden als Besitzer von Pantlitz immer die von Dechow und die von Steinkeller genannt, während die Familie von Mörder hier nicht mehr erscheint.

zu c)

Das Kloster Neuenkamp bzw. zeitweise Kloster Hiddensee belehnen den jeweiligen Besitzer des Preen'schen Hofes mit den zwei Hufen in Vogelsang, sofern es sich bei diesen zwei Hufen nicht um diesen Hof selbst handelt. Nach dem Vermögensverfall der von Preen erhält deren Besitz 1495 Hans von Steinkeller. Er und seine Nachkommen sind in der Folgezeit als Besitzer in Pantlitz - von Vogelsang wird nicht mehr gesprochen - neben den von Dechow genannt, bis 1625 diese Familie den Steinkeller'schen Anteil erwirbt. Fortan sind die von Dechow als Besitzer von ganz Pantlitz - und vermutlich Vogelsang (11) - nachzuweisen. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts müssen sie Pantlitz verpfändet haben, denn es treten nacheinander dort die von Bassewitz (?), Stael von Holstein und von Warnstedt auf (12). Um 1740/45 gelangen die von Dechow wieder in den vollen Besitz von Pantlitz und sind dort noch bis 1758 nachweisbar. Dann muß ein Verkauf an die Familie von Thun auf Schlemmin erfolgt sein, denn 1760 werden sie als Besitzer und Kirchenpatrone genannt (13). Durch Erbschaft gelangt Pantlitz 1824 schließlich an die Familie der Freiherrn von Mecklenburg, die es 100 Jahre bis zum Zwangsverkauf an Oberamtmann Matthies besessen hat.

2. Zur Geschichte der Kirche

Ob dann wirklich eine neue Kirche gebaut worden ist, geht aus den erhalten gebliebenen Akten nicht hervor. Bei der Visitation von 1669 heißt es, daß die Kirche "nunmehr ziml. repariret" ist (19). 1689 wird die Kirche als Kapelle bezeichnet und abgebrochen. - Ob es sich bei dieser Kapelle um einen Rest der ältesten Kirche von Pantlitz oder um einen Ersatzbau nach 1583 handelt, ist nicht mehr auszumachen. - Nun, 1689, wird eine Fachwerkkirche gebaut (20).
 An dieser Fachwerkkirche wurden 1744 Reparaturen vorgenommen, u.a. erneuerte man an mehreren Stellen die Sohl-Balken (21). Der bis dahin vorhandene Turm ist wenige Jahre vor 1744 abgenommen und die beiden Glocken in einem neugefertigten Glocken-Stuhl aufgehängt worden (22). In der Folgezeit wurden immer wieder größere Reparaturen ausgeführt, zeitweise war die Kirche nicht benutzbar. Pastor Hennings, 1778 bis zu seinem Tode 1834 Pastor von Ahrenshagen und Pantlitz, weigerte sich einmal längere Zeit, die Kirche wegen ihrer Einsturzgefahr zu betreten. 1818 heißt es in einem Aktenstück der Pfarre, das Kirchengebäude sei in "den Ständern 9 Ellen hoch, die Länge desselben beträgt mit Einschluß des Kirchenchores 40 Ellen. Die Breite enthält 15 Ellen und eine halbe. Die Breite des Chores aber 10 1/4Ellen. ... Vor der Kanzel ist das Pantlitzer Patronatsgewölbe. Über dem Eingang in dasselbe liegt ein großer Grabstein." Nach einer größeren Reparatur konnte die Kirche 1819 wieder in Gebrauch genommen werden (23). Doch half auch diese Restaurierung nur vorläufig. So entschlossen sich das Patronat und die Eingepfarrten der Kirche 1858 endlich zu einem Neubau.

3. Zum Bau und zu Reparaturen der heutigen Kirche

- Der Turmhelm war massiv aus Ziegelsteinen, die zugleich seine Bedachung ausmachten, gebaut worden. Die Dachtraufe des Kirchenschiffes und des Chores endete über dem Mauerwerk und war nicht über die Mauer hinweggeführt worden. So drang bald zunehmend Feuchtigkeit in das Gebäude ein.
Ob auf Grund mehrerer Gutachten die im Laufe der Zeit angefertigt wurden - das erste bereits 1886 -, Reparaturen durchgeführt worden sind, soll hier nicht untersucht werden. 1926 und 1927 sind schließlich zu Pastor Dunbars Zeit auf Grund eines Gutachtens des Provinzialkirchlichen Bauamtes für Pommern zu Stettin, gefertigt durch den Geheimen Baurat Rösener (29), umfangreiche Arbeiten durch das Stralsunder Baugeschaft Th. Teichen, Inhaber Dipl. Ing. Dalmer, ausgeführt worden. Dabei wurden an Kirchen- und Turmwänden schadhafte Steine ausgewechselt, die Traufe des Daches über Wand und Sims hinausgeführt. Die wichtigste Arbeit war jedoch die Sicherung und Eindeckung des Turmhelms. Dieser machte nach Röseners Gutachten "ungefähr den Eindruck, als ob er eine wirksame Beschiessung ausgehalten hatte" (30). Das Mauerwerk wurde ausgebessert und darauf ein Lattengerüst gebracht und verschalt. Der so verschalte Turm wurde mit Kupferblech eingedeckt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 24.000,-RM (31).

4. Zum Beschluß, die Kirche aufzugeben

Zugleich stand die Frage im Raum, was mit dem Kirchengebäude, unabhängig von der damals praktizierten Gottesdienstpraxis, wird. Schon 1970 hatte die Pantlitzer Kirche für rund 100 Besucher mehr Platz als die Kirchengemeinde Einwohner hatte.
Die Zahl der evangelischen Gemeindeglieder, die die Kirche aus ihren Mitteln erhalten sollte, war ja weitaus noch geringer. Lag ihre Zahl um 1970 bei schätzungsweise 80% der Einwohnerschaft, so mag sie heute auf etwa 30 - 40% gesunken sein. Sollte die Kirche erhalten bleiben, so mußte jetzt (1970/75) etwas dazu getan werden. Die Landeskirche stellte dazu aber keine Mittel zur Verfügung, sie riet zum Abriß. Die Kirchengemeinde Pantlitz konnte aus eigenen Kräften nicht das nötige Geld aufbringen, und aus der nichtchristlichen Einwohnerschaft war damals keine Hilfe zu erwarten. - In früheren Zeiten hatten die Patrone, die ja die großen Wirtschaftsbetriebe (Güter) hatten und aus ihnen auch die entsprechenden Mittel für solche Zwecke bereitstellen konnten, die jeweils benötigten Gelder zur Verfügung gestellt. Doch welche LPG hatte um 1970 so etwas machen können, selbst wenn die Leitung es als ihren kulturellen Beitrag gesehen hätte (36). So hat der Gemeindekirchenrat unter Beratung durch den Beirat - das sind 25 Personen, darunter mehrere Pantlitzer - nach vielen Gesprächen im Februar 1972 schweren Herzens beschlossen, die Kirche aufzugeben. Niemand hat dagegen gestimmt und jeder, der damals dabei war, hat wohl bis heute sich immer wieder gefragt, ob dies die richtige Entscheidung war.
 Alle, die damals dabei waren, werden froh sein, daß jetzt die Verantwortung zum Teil an einen Träger außerhalb der Kirchengemeinde abgeben werden konnte und mit Hilfe von Sponsoren und einer teilweise anderen Nutzung das die Landschaft so prägende Gebäude vielleicht doch an spätere Generationen weitergegeben werden kann.

5. Zum Verbleib der Einrichtung und zur Beachtung bei möglichen Bauarbeiten an der Pantlitzer Kirche

Verhandlungen über einen schriftlichen Leihvertrag sind anfangs geführt worden, aber von unserer Seite dann wegen Überlastung nicht weiter betrieben worden und schließlich in Vergessenheit geraten.
 (6) Die Bronzeglocke (von C. Voß in Stettin 1869 umgegossen) hängt im Turm.
b) Bei künftigen Bauarbeiten ist zu beachten.-
 (1) In der Kirche sind mindestens zwei Grüfte der früheren Besitzer von Pantlitz und Daskow. Sie befinden sich im Altarraum oder in dessen Nähe.
 (2) Die große Kalksteinplatte vor dem Eingang am Turm könnte eine Deckplatte sein, die dann auch eine wichtige Urkunde zur Geschichte von Pantlitz und seiner Besitzer bzw. Kirchenpatrone wäre.
 (3) Die an der Ost- und an der Westseite der Patronatseingange eingemauerten Grabstelen und die Grabplatte sind von der Witterung teilweise zerstört. Trotzdem bilden sie nicht nur kunsthistorisch einen wichtigen Schatz. Der Verfasser meint, und das wäre durch einen Fachmann gegebenenfalls nochmals zu prüfen, in der Platte das Wappen der Familie von Bassewitz erkannt zu haben. Dies wäre neben einem kaum lesbaren Namen in Akten der Barther Superintendentur der einzige dem Verfasser bekannte Hinweis auf das zeitweise Vorhandensein dieser Familie in Pantlitz.
 Bei Bauarbeiten sollten diese drei Dinge also die entsprechende Beachtung und Schonung erfahren. Genauso vorsichtig sollte man sein, wenn entsprechende Grabplatten, Grabstelen oder auch nur kleinste beschriftete Fragmente aus der Zeit vor 1850, gegebenenfalls auch Reste von farbigen Glasscheiben u.a. gefunden werden.
 Auch sollte die Familiengrabstelle der Familie von Stumpfeldt erhalten bleiben. Über eine mögliche Änderung, damit die Anlage pflegeleicht wird, müßte gegebenenfalls beraten werden.

4. März 1992

Anmerkungen

Das hat zwei Gründe: Einmal hat sich der mit dem Semlower Grafen Behr-Negendank befreundete und auch in Semlow aktive Schweriner Historiker Lisch im vorigen Jahrhundert ähnlich geäußert, allerdings wohl ohne Beachtung der Tribohmer Kirche. Zum anderen stand Semlow als sozialistisches Zentraldorf immer im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses in den zurückliegenden Jahren. Für das besondere Alter der Tribohmer Kirche spricht u.a. das Rundfenster am Ostgiebel. Für Semlow und für Triebohm kann jedoch als sicher gelten, daß beide Kirchen um 1225 im Bau waren bzw. vor ihrer Fertigstellung.
16. PUB Bd. II Nr. 855 und Bd. III Nr.1520.
17. In der Urkunde PUB Nr.1520 sagt Heinrich von Mörder, daß er beide Dörfer von seinem Vater geerbt habe; sein Vater, Gotan I., starb aber 1280.
18. Pfarrarchiv, Acta Matricularia S.81
19. Pfarrarchiv, Akten.
20. so Heyden II S. 25 (nach Landesarchiv Greifswald bzw. früher Stettin Rep.36 II, B1).
21. Pfarrarchiv, Matrikel von 1745.
22. ebd.
23. Zum Vorhergehenden vgl. das Memorabilienbuch sowie andere Akten des Pfarrarchivs Ahrenshagen (Zitat nach einer Abschrift von Methling, in meinem Besitz).
24. Pfarrarchiv, Memorabilienbuch S. 37f.
25. Ein Vorfahre war Bürgermeister in Barth; de Familie wurde 1802 geadelt. Ernst von Haselberg war in Stralsund mehrere Jahrzehnte Stadtbaumeister und hat sich u.a. um die Wasserversorgung von Stralsund verdient gemacht. Er lebte von 1827 - 1905. Von Bedeutung ist nach wie vor seine Bearbeitung eines ersten Inventars der Bau- und Kunsdivenkmale im damaligen Regierungsbezirk Stralsund. vgl. zu allem Sammlung Reimer zu Familien unserer Gegend.
26. Der Bericht von Haselberg's und seine Zeichnungen, Prüfers Archiv
27. vgl. Prüfer, Archiv S. 82.
28. siehe Pfarrarchiv, Memorabilienbuch S. 38.
29. Gutachten, Akten des Pfarrarchivs Ahrenshagen.
30. Gutachten, s. Anlage 2 S. 3.
31. Pfarrarchiv, Memorabilienbuch S. 103 sowie Pfarrakten.
32. vgl. Heyden 11 S. 25 und eigene Forschungen.
33. siehe Provinzial-Kalender 1865, S. 298 und Handbuch 1898, S. 220, 224 und 228.
34. Pfarralmanache 1940 und 1956.
35. Pfarralmanach 1964.
36. Als rund 15 Jahre später dieser Gedanke von Bischof Dr. Gienke geäußert wurde, ob nicht etwa die LPG'n zur Rettung des Gebäudes etwas beitragen könnten, kam es zwar zu Gesprächen zwischen der Kirche und den Wirtschaftsbetrieben, die Durchführung scheiterte dann jedoch aus mancherlei Gründen, u.a. Erkrankungen einiger Hauptbeteiligter.
37. In Bau- und Kunsdivenkmale / Mecklenburgische Küstenregion S. 471 wird irrigerweise von vier Kabinettscheiben gesprochen

Literatur

Außer Akten des Pfarrarchivs Ahrenshagen einschließlich der Kirchenbücher, Kirchenrechnungsregister, des Memorabilienbuches, der Kirchenmatrikeln und Akten des Superintendenturarchivs Barth sowie Abschriften des früheren Lehrers in Ahrenshagen Methling, die mir seine Frau vor vielen Jahren überreichte - nicht die Chronik von Ahrenshagen, die Herr Methling verfaßt hat, die Frau Methling nicht aus der Hand gab und nach ihrem Tod einer der beiden Söhne in Besitz genommen haben soll - stand mir nachfolgende Literatur zur Verfügung:
Bagmihl IIBagmihl, J.T.: Pommersches Wappenbuch, Bd. 11, Stettin 1846.
Bau- und Kunsdivenkmale / 
Mecklenburgische Küstenregion
Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR. Mecklenburgische Küstenregion. Bearb. von e. Kolletiv durch Gerd Baier, Horst Ende, Brigitte Ottmanns. Berlin 1990
Handbuch 1898Handbuch für Neu-Vorpommern und das Fürstenthum Rügen. 137. Aufl. 1898.
Haselbergvon Haselberg, E(rnst) (Bearb.): Die Baudenkmäler des Regierungs-Bezirks Stralsund. Stettin 1881.
Heyden IIHeyden, Hellmuth (Bearb.): Die Evangelischen Geistlichen des ehemaligen Regierungsbezirkes Stralsund - Kirchenkreise Barth, Franzburg und Grimmen -. Greifswald 1959. 
HoogewegHoogeweg, H.: Die Stifter und Klöster der Provinz Pommern. Band II. Stettin 1925.
KuglerKugler, Franz: Pommersche Kunstgeschichte. In: Baltische Studien, Alte Folge Bd. 8a (1840), S. 1ff.
MatrikelkartenCurschmann, Fritz (Bearb.): Matrikelkarten von Vorpommern 1692 - 1698
Karten und Texte. 1. Teil. Rostock 1948.
Pfarralmanach 1940Das Evangelische Pommern. II. Teil: Behörden, Kirchen, Pfarrstellen, Geistliche, Anstalten und Vereine. Bearb. von Pastor Glaeser. Stettin 1940.
Pfarralmanach 1956,1964Pfarr-Almanach. Hrs. vom Evang. Konsistorium Greifswald. 1956. dito 1964.
Provinzial-Kalender 1865Provinzial-Kalender für Neu-Vorpommern und das Fürstenthum Rügen auf das ;Gemein-Jahr 1865. Stralsund.
Prüfer, ArchivPrüfer, Theodor (Hrsg.): Archiv für kirchliche Baukunst und Kirchenschmuck. 1. Jahrgang Berln 1876.
PUBPommersches Urkundenbuch. Ehemals hrsg. vom Königlichen Staatsarchiv zu Stettin und später von anderen Hrsg.
 Bd. II, Neudruck Aalen, Köln/Graz 1970
 Bd. III, Neudruck Aalen, Köln/Graz 1970
 Bd. IV, Neudruck Aalen, Köln/Graz 1970
 Bd. V, Neudruck Aalen, Köln/Graz 1970
 Bd. VIII, Köln/Graz 1961
 Bd. X, Köln, Wien 1984
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