![]() Zifferblatt der ehemaligen Turmuhr von innen gesehen | ||
| 6. bis 9. Jahrhundert | Wendische Besiedlung auch der Recknitzufer. Östlich der Recknitz leben gegen Ende des Zeitraumes die Ranen, westlich die Kessiner. Pantlitz ist Grenzgebiet. Der ehemalige Wohn- und Wehrturm (heute Eiskellerberg genannt) und der sog. Burgwall, eine der besterhaltenen Slawenfestungen berhaupt, westlich der Kirche gelegen, erinnern heute an diese Zeit | |
| 16. Oktober 955 | Die Schlacht an der Raxa Otto I. hat 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld gegen die Magyaren einen bedeutenden Sieg errungen. Gleichzeitig wurde aber seine Herrschaft durch einen Aufstand der Obodriten und Wilzen akut bedroht. Otto begann mit Unterstützung der Ranen, des Herzogs Boleslav von Böhmen sowie seines Sohnes Liudolf einen Feldzug zur Lösung dieses Problems. Ein Kompromißangebot der Aufständischen lehnte er ab. Schließlich kam es an der Recknitz zur Entscheidungsschlacht. Diese Schlacht, bekannt als "Schlacht an der Raxa", ist vom Geschichtsschreiber Widukind von Corvey ausführlich beschrieben worden. Sie endete mit dem Sieg Ottos. "Das Morden währte bis tief in die Nacht. Am nächsten Morgen wurde das Haupt des Stoignew (Des Obodritenfürsten und Führers der Aufständischen) auf freiem Feld aufgestellt; ringsum wurden 700 Gefangene enthauptet. Dem Ratgeber Stoignews wurden die Augen ausgestochen, die Zunge ausgerissen und dann ließ man ihn hilflos zwischen den Leichen liegen." Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten in der Widukindschen Schilderung (Mäander der Recknitz, die in den vergangenen Jahrhunderten weitgehend begradigt worden ist) von denen die die es heute könnte diese Schlacht beim heutigen Pantlitz stattgefunden haben. | |
| 1254 (?) | Gotan I. Mörder wird von den Rügenfürsten mit einem größeren Gebiet östlich von Damgarten belehnt. Stammsitz der Mörders wird Daskow. Auch die Ahrenshäger und Pantlitzer Gebiete gehören dazu. Nach manchen Quellen stammt Gotan I. aus Thüringen und tritt in den Dienst der Rügenfürsten, nach anderen entstammt er einer Nebenlinie der slawischen Rügenfürsten, was die Belehnung mit einem so großen Gebiet plausibel macht. Sein Beiname "Mörder" wirft Probleme auf. Dazu mehr... Rechts das Wappen der Mörders in barocker Fassung, einen Löwenkopf darstellend. Zeichnung von J. Siebmacher | ![]() |
| 1267 | Es wird das heute verschwundene, damals zu Pantlitz gehörende Dorf Vogelsang urkundlich erwähnt. Fürst Witzlaff II. von Rügen verschenkt in Vogelsang 2 Hufen an das Kloster Neuencamp (heute Franzburg) | |
| 1279 oder 1280 | Gotan I. Mörder stirbt | |
| 1289 | Es werden weitere, den Mörders gehörende, später zu Pantlitz gezählte Dörfer urkundlich erwähnt: Prusdorf und Behrenshagen, die schon vor 1280 bestanden haben müssen. | |
| 1336 | Erste urkundliche Erwähnung von Pantlitz. Betrifft den Verkauf einer Rente an den Rat Ribnitz durch Ritter Johann Mörder. Es bürgen außer ihm selbst seine Brüder Heinrich und Bartold, der Knappe Bertold von Preen mit ihren Dörfern Pantlitz, Dettmannsdorf, Altenwillershagen, Ahrenshagen, Wiepkenhagen, Trinwillershagen, Neuenlübke, Todenhagen und Prusdorf. Die Familie lvon Preen, die offenbar einheiratet und in der Folgezeit das Patronat ausübt, wird hier erstmalig erwähnt. | |
| 1341 - 1348 | Es ist der Name eines Plebans belegt, der in Pantlitz zuständig ist: Johann von Poppendorf | |
| 1479 | Das Patronat geht an Familie von Steinkeller über, kurze Zeit später erscheinen zusätzlich die von Dechow (Stammsitz in Pütnitz) als Patrone. Rechts das Wappen der Familie von Dechow, wieder in barocker Gestaltung. Zeichnung von J. Siebmacher | ![]() |
| nach 1560 | Nicolaus Oldenborch (auch als Nicolaus N. und Pastor Nikolaus vorkommend, vielleicht also Nikolaus Nikolaus aus Oldenburg?), der zuvor in Damgarten tätig war, wird Pastor in Pantlitz. 1569 wird wahrscheinlich über ihn vor der Barther Synode Klage geführt. Er wird vom Tribohmer Pastor Lonemann ebenso wie ein Junker Steinkeller zu einem 'ehrbarlichen Leben ermahnt'. Übrigens gibt es auch Vorwürfe gegen Pastor Lonemann (vgl. die Zeittafel zu Tribohm). Was wurde dem guten Nicolaus vorgeworfen? Er sei 1. mutwillig mit seinem Küster ausgeblieben (hat die Synode geschwänzt), sei 2. unmäßig im Trinken und halte 3. seinem Sohn eine Konkubine. | Kumpelei mit der Patronatsfamilie. Der dritte Vorwurf an den Pastor verwundert: Wieso dem Sohn? |
| 1569 oder 1570 | Jacob Petri soll Pastor sein, belegt ist auch Johannes vom Berge als Pastor | |
| nach 1573 bis 1598 | Egger von Dechow, geboren 1540 als Sohn des Fürstlichen Hauptmanns zu Eschen, Erbherrn zu Püttnitz, Beyershagen und Pantlitz und seiner Frau Margarethe v.Lepel a.d.H. Müggenburg, verheiratet mit Anna v.Gristow, der Tochter des Jakob v.Gristow auf Schlichtenmühle in Pommern, gestorben 1618 in Ribnitz, wo er in der Pfarrkirche bestattet wurde. In der angegebenen Zeit lebte er in seinem Gute Pantlitz. Er war zuvor im Dienst des Herzogs Alba in Spanien und den Niederlanden tätig. Egger von Dechow hinterließ eine Tochter, Lucretia v.Dechow, die sich mit Henning v.Oldenburg verheiratete. | |
| vor 1578 | Casparus Calow ist Pastor, später auch in Ahrenshagen, das er wegen ungebührlichen Verhaltens aufgeben muß, vgl.die Zeittafel zu Ahrenshagen | Schon wieder ein Problemfall |
| ? | Matthäus Pinnow ist Pastor | |
| 1578 - 1583 | Die Barther Synode nennt als neuen Pastor in Pantlitz Elias Mesecow, der 'ein wüst Leben führen soll, davon sei not, die Patrone zu befragen'. | Und wenn die Patrone auch ... ? (Siehe oben!) |
| 1583 | Die Kirchenmatrikel von 1583 sagt, daß die Kirche "gantz bau fällig ist, und nicht duget, und woll nötig eine andere neue Kirche zu bauen" | Die Kirche paßt zum Pastor |
| 1584 | Matthäus Pinnow wird wieder als Pastor für Pantlitz und zusätzlich auch für Ahrenshagen genannt | |
| 1586 | Pastor Pinnow ist gestorben, Trennung von Ahrenshagen | |
| ? | Stephan Samuel Curtius (Kock?), Pastor in Barth, wird 1593 als zuvor in Pantlitz tätig genannt | |
| 1592 - 1615 | Hieronymus Bullius, Studium in Greifswald und Rostock, beginnt seine Tätigkeit als Pastor in Pantlitz, 1615 letzte Nachricht | |
| 1645 - 1651 | Pastor Johann Geyer wird 1651 aktenkundig, weil er sich 6 Jahre lang 8 fl. statt zulässiger 5 fl. Gehalt genehmigt hat. Er hat, sagt er, auf eigene Kosten Stall und Küche gebaut. Es kommt zum Vergleich mit den Patronen Barbara Schmatzhagen, verw. Mörder und Ulrich von Dechow, in dem der scheidende Pastor sogar Ersatz für Schäden erstreitet, die sein Vorgänger durch Kriegseinwirkung erlitten hat. | Wie sagt das gemeine Volk? Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. |
| 1648 - 1815 | Mit dem Westfälischen Frieden fällt die Gegend an die schwedische Krone | |
| 1660 | Das Patronat der von Steinkeller endet, die von Dechow sind alleinige Patrone | |
| 1661 - 1675 | Petrus Rohloff, Studium in Rostock und Königsberg, Pastor in Pantlitz. Streit mit den Patronen ist aktenkundig. Seine Tätigkeit endet, als er im Kriege nach Rostock flieht (Krieg Schweden gegen Brandenburg, 1675-1679) | |
| 1669 | Kirchenvisitation; es wird festgestellt, daß die Kirche "nunmehr ziml. repariret" ist. | |
| 1680 - 1705 | Andreas Zechin, Studium in Greifswald und Frankfurt a. O., wird zunächst für Pantlitz ordiniert, übernimmt aber nach Vereinigung der Gemeinden (1687) zusätzlich Ahrenshagen. | |
| 1689 | Die Kirche, als Kapelle bezeichnet, wird abgebrochen. Es wird als Ersatz eine Fachwerkkirche gebaut. | |
| 1706 - 1745 | Johannes Schleif (Schleipff) wird in Ahrenshagen Pastor auch für Pantlitz. Er beendet seine Tätigkeit vorzeitig auf Wunsch der Patrone, weil er dem Amt nicht mehr gewachsen war, vgl. Ahrenshagen. | |
| 1712 | Im Nordischen Krieg wird Pantlitz "wüst" | |
| 1730 | Die männliche Linie der Familie Mörder erlischt. Es muß allerdings anderswo noch männliche Mörders geben, denn der vermutlich nicht gerade begehrte Name kommt bis heute vor. | |
| 1744 | Umfängliche Reparaturen. Der Turm ist schon einige Jahre vorher abgenommen worden. Es werden Sohl-Balken erneuert. Die Glocken erhalten einen neuen Glockenstuhl. | |
| 1745 | Irgendwer (Schleif?) konnte nicht rechnen. Ein gemeindliches Aktenstück von 1745 sagt aus, Pantlitz und Ahrenshagen seien kirchlich seit 78 Jahren, dem Brandenburgischen Krieg, vereinigt. Das wäre 1667, Heyden gibt stattdessen 1687 an. | 1667 und 1687 gab es -ausnahmsweise- keine Brandenburgischen Kriege! |
| 1745 | Anläßlich der ersten Kirchenvisitation in Pantlitz seit 1669 verliert der Pastor ersatzlos sein Fischereirecht in der Recknitz, ... angeblich, weil er es nicht wahrgenommen habe, aber es geht um mehr! | |
| 1745 - 1778 | Magister und Doktor Gabriel Balten, Studium in Rostock, ist Pastor für Ahrenshagen und Pantlitz. Schwerer Streit mit den Patronen um die Pfarräcker | |
| 1758 | Das Patronat der von Dechow endet, warum auch immer, es geht über an die von Thuns. Rechts das Wappen der Familie von Thun, die ihren eigentlichen Sitz in Schlemmin hatte. | ![]() |
| 1770 | In Pantlitz herrscht Ordnung. Die geistliche Obrigkeit wacht über die Ehe. Ein Beispiel --> | |
| 1770 und 1771 | In Pantlitz ist die "Rindviehseuche" ausgebrochen. Der Gottesdienst muß deswegen (auf Weisung der Behörden) ausfallen. | |
| 1778 - 1834 | Pastor Hennings, zuständig für Ahrenshagen und Pantlitz. Er weigert sich längere Zeit, die Kirche zu betreten, weil sie baufällig ist. Gottesdienst findet statt in einem Zimmer auf dem Gutshof. | |
| 17?? | Es brennt eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst das "Colonushaus" ab. Es wird aus Beiträgen der "Eingepfarrten" unverzüglich wieder errichtet, nur Herr von Zander aus Prusdorf will nicht zahlen. | |
| 1824 | Die Pantlitzer Linie der von Thuns hat keinen männlichen Nachfolger. Durch Eheschließung mit einem illegitimen Nachkommen des mecklenburgischen Herzogs geht das Patronat an die von Mecklenburgs über. Rechts die prächtige Wappentafel derer von Mecklenburg, die heute in der Ahrenshäger Kirche hängt. | ![]() |
| 1836 - 1872 | Heinrich Karl Zander, Studium in Rostock, Halle und Berlin, ist Pastor | |
| 1869 | Die Kirche wird neu errichtet. Den Neubau finanzieren die beiden Patroninnen, Baronin von Mecklenburg auf Pantlitz und Baronin von Stumpfeldt-Lillienanker auf Daskow zu gleichen Teilen. Die Bausumme ist bekannt: 46.320,66 Mark. Die Kirche wird am 20. Mai eingeweiht. Rechts das Wappen der Baronin von Stumpfeldt-Lillienanker, welches ebenfalls jetzt in Ahrenshagen zu bewundern ist | ![]() |
| 1874 - 1883 | Christian Gustav Otto Fittbogen, Studium in Berlin, ist Pastor | |
| 1884 - 1894 | Carl Johann Friedrich Täge, Studium in Erlangen und Berlin, ist Pastor | |
| 1894 - 1919 | Leopold Wilhelm Lotzow, Studium Greifswald, ist Pastor, er stirbt im Amt | |
| 1931 | Das Prozessieren hat kein Ende. Eine franzöische Erbin beantragt Rückbertragung | |
| 1972 | Die Kirche wird aufgegeben, das Inventar in der Folgezeit tw. zerstört bzw. entfernt | |
| nach 1989/90 | Die Kirche wird mit Mitteln aus dem Förderprogramm "Leader II" der EU instandgesetzt. Das Dach wird neu gedeckt, das Innere renoviert, der Turm wird als Aussichtsturm eingerichtet. Es ist vorgesehen, die Kirche auch für die touristische Erschließung des unteren Recknitztales zu nutzen. | Die Wende brachte die Wende |
| 1997 | Die Kirche wird offiziell in die Denkmalsliste eingetragen | |
| 2004 | Durch EU-Fördermittel können die Patronatsanbauten wieder hergestellt werden. Die Räume werden als touristischer Stützpunkt genutzt werden. | |