Die Instandsetzung der Pantlitzer Kirche

Das Kircheninnere 1995

Untersuchungsbericht und Projektüberlegungen zu den Patronatsanbauten der Kirche Pantlitz

Bei den rund 40cm dicken Mauern sind diese Neigungen als unkritisch zu betrachten.
Ob weitere Setzungen stattfinden, sollte mittels Feinnivellement überprüft werden.
Auffällig ist, daß die Sockelverblendung aus 24 bis 28cm dicken Granitquader auf einem Ziegelfundament steht und dieses insbesondere an der Südost-Ecke aus dem Boden ragt. Die Geländehöhe am Gebäude war dem zufolge höher angelegt. Das Ziegelfundament weist Beschädigungen auf. Zur Sicherung der Fundamente sollten diese mit einer Vertikalsperre versehen werden (ggf. gesamte Kirche).

Allgemeiner Zustand


Die beiden Satteldächer des Gebäudes sind abgängig, allein die Firstpfetten (wir Nichtfachleute würden statt "Pfetten" etwa Hauptbalken sagen, genauer sind es parallel zum First laufende Balken, auf denen die Sparren ruhen.) hängen noch zwischen Kirchenmauer und Staffelgiebeln. Der einstige Innenputz ist nur in Resten vorhanden. Die Mauerkronen der Traufen und der Mittelwand sind lose und an den Außenwänden um wenigstens drei Ziegelschichten verfallen. Es sind Schäden an dem Ziegel-Sichtmauerwerk der Außenseiten vorhanden, Formziegel sind gebrochen, die Verfugung teilweise tief ausgewittert. Wegen der vorhandenen Einsturzgefahr ist das Gebäude vom Friedhof abgesperrt. Wenn keine Sicherung erfolgt, werden sich die Schäden vergrößern, mittelfristig ist mit dem Verlust des Gebäudeteils zu rechnen.

Nutzung


Von Seiten der Kirchgemeinde wird der Erhalt und die Nutzung des Anbaus angestrebt. Es wurde die Überlegung angestellt, eine Zwischendecke einzuziehen und im Obergeschoß einen größeren Raum für Versammlungszwecke einzurichten.
Mit dieser Vorgabe entstanden die Nutzungsüberlegungen, die in dem anliegenden Entwurf zusammengefaßt sind.

Sicherung


Vordringlich notwendig ist die Sicherung, vorzugsweise unter Berücksichtigung der Nutzungsabsicht. Es erscheint wenig sinnvoll, ein Notdach zu improvisieren, das den komplizierten Bauformen und Anschlüssen nur schwerlich anzupassen wäre, zumal verläßliche Auflager fehlen! Es er- scheint ratsam, über eine Beantragung von Zuschüssen, vorzugsweise aus dem "Dach und Fach"-Programm des Bundes und Landes für ein bleibendes Dach ebenso zu sorgen, wie für eine aussteifende Zwischendecke, Treppe, die Reparatur des Mauerwerks und Schließung der Fenster und Türöffnungen.

Westseite des Anbaus mit bröckelnder Mauerkrone und Abriß der Verzahnung mit dem Stützpfeiler. Oben die beiden Firstpfetten der Satteldächer. Im Fall des Durchrottens der bereits stark geschädigten Balken ist beim Herabfallen mit Mauerwerkschäden an Kirche und Giebeln zu rechnen.

Westseite des Anbaus

Östlicher Eingang. Die Ecke liegt etwa 6cm tiefer als an den restlichen Sockelabschnitten der Südseite des gesamten Kirchengebäudes. Die Schwelle ist lose. Links die Mauernut, in der die Dachentwässerung früher verlief.

Östlicher Eingang

Innenansicht der Giebel von Nordwest. Putzreste und der frühere Dachanschluß sind gut erkennbar, ebenso die Löcher der Mauerwerkseinbindungen der abgängigen Fußpfetten.

Giebel von innen

Projektüberlegungen


Die Höhe einer einzuziehenden Zwischendecke richtet sich bei den einwärts öffnenden Türen nach deren Oberkante. Setzt man die Deckenunterkante mit der Leibungsbogenspitze gleich und nimmt 20cm Deckenstärke an, dann erhalten die Fensterbrüstungen im oberen Raum eine Höhe von 78cm. Die Decke schneidet dann bereits die oberen Fenstefbögen der EGFenster in hinnehmbarem Maß. Gleichzeitig befindet sich die Decke auf der Höhe der früheren Treppenpodeste vor den Durchgängen zu der nicht mehr vorhandenen Patronatsempore. Als Material wird Beton empfohlen, weil durch die streifige Verbindung zum Mauerwerk eine gute Lastverteilung erreicht wird und das Mauerwerk in den Längsrichtungen stabilisiert wird. Die Nicht-Brennbarkeit ist gewährleistet, was für die Nutzung die Sicherheit erhöht. Da eine regelmäßige Nutzung mit sicherer Lüftung nicht gewährleistet ist und daher durchschnittlich höhere Luftfeuchten vorausgesehen werden können, sind alle Holzbaustoffe einem erhöhten Befallsrisiko durch Pilze ausgesetzt. Nichtsdestotrotz soll die Tragkonstruktion des Daches aus Holz hergestellt werden.

Um im OG einen Raum über den gesamten Gebäudegrundriß zu erhalten, ist die Mittelwand oberhalb der Decke abzutragen.

Für die Dachkonstruktion sind die Traufen-Mauerkronen durch Betonbalken gleichmäßig zu belasten. Außen sind die fehlenden Ziegelschichten als Verblender wieder aufzumauern.

Der Treppenaufgang zum OG hat eine Geschoßhöhe von 3m zu bewältigen. Bei der Wahl eines Steigungs-/Auftrittverhältnisses von 16,7/27,2cm ergeben sich 18 Steigungen. Zur Hebung der Bequemlichkeit ist in der Nordost-Ecke ein Zwischenpodest geplant. Die Betontreppe endet ebenso in einem Podest zum Raum, der abzüglich des Treppenlochs eine Grundfläche von rund 26m2 aufweist.

Im östlichen EG-Raum, der die Treppe aufnimmt, kann eine behindertengerechte Toilette mit 2,85m2 Fläche untergebracht werden. Daneben und unter dem Treppenlauf steht ein Abstell- und ggf. Heizraum zu Verfügung.

Der gesamte westliche EG-Raum von 14,8m2 Fläche kann durch eine Küchenzeile (z. B. gemauert, mit Flaschen-Gasherd) und einen großen Eßplatz genutzt werden. Die Nischen in der Mittelmauer können geschlossen und für die Leitungsführung (Dachentwässerung) genutzt werden.

In der Kirche ist ein Stromanschluß vorhanden, Wasser liegt auf dem Friedhof und eine Abwasserleitung wäre zu verlegen. Sollte für eine Heiz- oder besser Temperierungsanlage Gas als Energieträger in Erwägung gezogen werden, dann ist bei Vorhandensein des Erdgasnetzes im Dorf ein Gasanschluß zu schaffen.

Die Entwurfsskizzen, die zum Projekt gehören, sind, wie die oben erwähnten Architektenzeichnungen im Pfarramt einzusehen.

© Pfarramt Ahrenshagen, 13.10.2002