Hoher Besuch in Schlemmin 1863

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Kronprinz Friedrich Wilhelm

Am 16. Juli 1863 weilten der preussische Kronprinz Friedrich Wilhelm, der dann im Jahre 1888 für 99 Tage als Kaiser Friedrich III. im Amte war, mit seiner Gemahlin Kronprinzessin Victoria, älteste Tochter der Queen Victoria und ihres Prinzgemahls, Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, in Schlemmin und trugen sich dort in das Kirchenbuch von Schlemmin ein.

Für Freunde der alten deutschen Schrift folgt der Eintrag:

Kronprinzessin Victoria
Schmuck
Schreiben

Hier die Lesehilfe:

Friedrich Wilhelm Kronprinz
Statthalter von Pommern 16. Juli 1863.
Victoria
Kronprinzessin von Preußen
Princess Royal von Großbritannien und Irland

Die Königl. Hoheiten, welche ihre Namen höchsteigenhändig hier in das Kirchenbuch eingetragen haben, waren den Sommer 1863 zu Putbus im Seebade. Von dort aus machten die Hohen Herrschaften mehrmals Ausflüge, die sehenswerthen Rügenschen u. N.Vorpommerschen Örtlichkeiten in Augenschein zu nehmen.

So kamen Höchstdieselben unter Andern zum Herrn Grafen Behr-Negendank auf Semlow und übernachteten dort. Tags darauf als am 16. Juli, an einem Donnerstage, besuchten sie bei der Gelegenheit auch unser Schloß, wo freilich nur der Herr Graf zu Stolberg-W. zu Hause war, und nahmen auf demselben ein Frühstück ein; besahen auch noch die großen Eichen im nahen Walde vor dem Frühstück. Die Frau Gräfin St. verweilte damals gerade mit ihrer verw. Schwester, der Gräfin Emma, zur Brunnenkur in Pyrmont. Im Schlosse waren mehrere Geistliche und Adlige der Umgegend versammelt, u. im Walde sang das Seminar von Franzburg einige schöne, vierstimmige Volkslieder.

Chronikeintrag des Kronprinzen, 2. Teil

Die Fortsetzung:

Die Franzburger Synode (deren Geistliche) verehrten dem Hohen Kronprinzlichen Ehepaare in Folge des in Schlemmin ausgesprochenen Wunsches, aus allen Landestheilen die verschiedenen Gesangbücher zu besitzen, 2 Exemplare unseres neuen N.Vorpommerschen und Rügenschen Gesangbuches, was höchstgnädig an- und aufgenommen, und von Putbus aus mit eigenhändiger Dankschrift des Kronprinzen an die Superintendentur erwiedert ward.


Der obige, ungezeichnete Eintrag im Kirchenbuch wird vermutlich vom zuständigen Pastor Halleen stammen.
Wenn man den Text genau liest, fällt auf: Der Besuch fand offenbar nicht unangekündigt statt, sonst hätte es keine versammelten Honoratioren und keinen Chor im Walde geben können. Aber wenn er angekündigt war, dann ist die Abwesenheit der Frau Gräfin, mit Verlaub, ungehörig. Zwar ist Pyrmont recht weit entfernt, die Reisezeiten waren aber zu der Zeit überraschend kurz und soo krank wird die etwa dreißigjährige Gräfin nicht gewesen sein, daß man ihr die Reise nicht hätte zumuten können.

Schmuck
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© Pfarramt Ahrenshagen, 04.02.2002
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