Kurzgefaßter Lebenslauf des Wilhelm Ulrich von Thun,
Herrn auf Tribohm, Schlemmin etc.pp. 1784 bis 1862


Der folgende Text entstammt einer Chronik der Pommerschen v. Thuns, die wahrscheinlich von Graf Bolko von Stolberg-Wernigerode im Jahre 1881 geschrieben wurde. Wilhelm Ulrich ist sein Schwiegervater. Bis auf offensichtliche Schreibfehler ist die Schreibung übernommen, wie vorgefunden. Falls sich Fehler bei Personen- oder Ortsnamen eingeschlichen haben, lasse man es uns bitte wissen!
Was man aus dem Text lernen kann?
Es kann offenbar ganz schön anstrengend sein, mit einem "silbernen Löffel im Munde" geboren zu werden!

[ zurück zur Zeittafel]

Das Regiment ward beim Einrücken der Franzosen entwaffnet, und mit Mühe konnte er sich nur der Gefangennahme ihrerseits entziehen, bis nach dem Unglück der Franzosen in Russland 1813 (von 400.000 Mann der multinationalen Truppe, in der nur ein Drittel Franzosen waren, kehrten nur 18.000 zurück. Totzdem eine erstaunliche Rede über den geschlagenen militärischen Gegner!), Pommern wieder von den Schweden besetzt wurde.

Mit Aufträgen an den damaligen Kronprinzen von Schweden, Johann Bernadotte gesandt, zog er dessen Aufmerksamkeit auf sich, und ward zu seinem Atjudanten ernannt. Er begleitete ihn während der Campagne 1813-14 in Deutschland, und wohnte den Schlachten von Groß-Beeren, Dennewitz und Leipzig bei, sowie dem Zuge nach Holstein und später nach Belgien.

1814 begleitete er den Kronprinzen nach Paris und kehrte mit der Armee zur Eroberung Norwegens zurück. Nach deren Beendigung ließ ihn der Kronprinz in besonderen Aufträgen während des Winters in Christiana zurück, und berief ihn im Jahre 1815 nach Stockholm. -

Der Krieg ward durch die Schlacht bei Waterloo 1815 schnell beendet und er kehrte mit seinem Regiment aus der Vendee nach Lothringen zurück, wo dieses bei der Occupations-Armee verblieb. Er wurde Kommandant von Monedi, lag später in Ettin und marschierte mit seinem Regiment 1817 nach Luxemburg und 1818 nach Trier.

Von dort nahm er Urlaub zu seiner Familie, und hatte auf der Durchreise in Berlin Gelegenheit, manche Bekanntschaften zu machen, infolge dessen er als Batallionscommandeur ins Regiment Kaiser Franz versetzt wurde.

1826 wohnte er der Krönung des Kaisers Nikolaus in Moskau bei, und begleitete denselben in die Campagne in der Türkei 1827, nachdem er kurz vorher Oberstlieutenant geworden. Bei Schmula mußte er sich u.a. in ein Rußisches, von den Türken umschwärmtes und angegriffenes Quarree (d.i. eine nach vier Seiten geschlossen Abwehrstellung der Infanterie gegen Reiterangriffe) zurückziehen, und wohnte der Einnahme von Warna bei. Auf dem Rückwege von dort, nach einem heftigen Sturm auf dem Schwarzen Meer, mußte er in Sewastopol einlaufen und bereiste die Krim während drei Tagen. Nach Petersburg zurückgekehrt, nahm er einen Urlaub nach Berlin, wo er zum Flügeladjudanten des Königs ernannt wurde. Verblieb noch ein Jahr auf seiner Stellung in Petersburg und ward 1830 zurückberufen, um den Dienst bei der Person S.M. (=Seiner Majestät) des Königs anzutreten.

In dem selben Jahr machte er mit seiner Familie einen einjährigen Aufenthalt in Italien. 1845 wurde er zum Gesandten am Königlich Württembergischen Hof zu Stuttgard ernannt, wo er die Revolutionsjahre 1848 und 49 erlebte. Bis 1850 verblieb er in dieser Stellung und bezog dann mit seiner Familie das von ihm neu erbaute Schloß in Schlemmin. (Anmerkung für Rechenfaule: Er ist 66 Jahre alt, als er sich zur "Ruhe" setzt.) Dieser Bau begann 1846 unter der Leitung des Baurats Knoblauch aus Berlin und dauerte bis 1850. Die Arbeiten wurden sämtlich durch Handwerker aus der Provinz ausgeführt.
Leider verunglückte ein Mann bei dem Bau.

Die Güter Gr. Kisow 1846 und Altenhagen 1852, Neu-Seehagen und Sternhagen wurden von ihm angekauft.

Im Jahre 1853 wurde die, viele Jahre hindurch mit Langenhanshagen combiniert gewesene Schlemminer Pfarre, selbständig wiederhergestellt, 1854 am 15ten Oktober hatte Wilhelm Ulrich den Großen Schmerz seine geliebte Gemahlin zu verlieren, wodurch die Bewohner der Güter eine überaus gütige und für Ihr Wohl sorgende Herrin verloren. Der Heimgang dieser ausgezeichneten Frau erregte eine allgemeine Trauer in nahen und fernen Kreisen.

Im Jahre 1853 wurde Wilhelm Ulrich durch den hohen Besuch S.M. des Königs Friedrich Wilhelm IV. beglückt, welcher eine Nacht in Schlemmin zubrachte. Am Morgen des 19ten August 1853 schrieb der Königliche Herr folgende Worte in die Hausbibel des Schlemminer Schlosses:


Lasset uns Gott den Herrn bitten, daß sein heilig Wort und Segen in diesem Lande, in dieser Pfarre und in diesem Hause nun und nimmermehr aufhören, wohl aber sich kräftig und fruchtbar zeigen für dieses und das künftige Leben

- wie heut - Christfest 1861. -

Nachtrag

Die Treue, mit welcher er dem Vaterlande und seinen Königen anhing, die Sorgfalt, mit welcher im Verein mit seiner Familie auf das leibliche und geistige Wohl seiner Untergebenen bedacht war, die Wohltaten welche er in weiten Kreisen unermüdet spendete, die Teilnahme, welche er im Großen und Kleinen allen, die ihm nahe kamen bewies die Leutseligkeit, mit welcher er aus der reichen Erfahrung seines vielbewegten Lebens Rath ertheilte, die Festigkeit und Gradheit seines Charakters, sicherten ihm ein bleibendes Gedächtnis in den Herzen der großen Zahl derer, die in ihm das Vorbild echten Christentums und wahren Adels erkannt hatten. -

Nach seinem Tode errichteten seine Kinder, seinem Willen gemäß, die beiden Fideicommisse (=unteilbare und unveräußerliche Vermögensmasse, die einer besonderen Erbfolgeordnung unterliegt; so Sachen wie "Junkerland in Bauernhand" waren nicht geplant!) Schlemmin und Altenhagen, und die Schlemminer Güter gingen über in den Besitz seiner älteren Tochter Elisabeth und ihres Gemahlen des Grafen Bolko von Stolberg Wernigerode. -

[ zurück zur Zeittafel]
© Pfarramt Ahrenshagen, 05.02.2002
 ValidCSS-Validierung