Die Hochzeit des Fräuleins Elisabeth von Thun mit Graf Bolko zu Stolberg-Wernigerode

am 5. November 1853 zu Schlemmin

Der folgende Text entstammt dem Schlemminer Kirchenbuch. Pastor Halleen hat handschriftlich die Hochzeit der ältesten Tochter und Erbin Elisabeth seines Grundherren und Kirchenpatrons Wilhelm von Thun geschildert. Daß wir den Text hier wiedergeben, geschieht in der Absicht, etwas mehr Licht in das Leben des pommerschen Adels zu bringen.
Die Frömmigkeit und das daraus hergeleitete Selbstverständnis, wie es hier vor allem auch im Trautext deutlich wird, nötigt neben aller wohlfeilen Kritik auch zum Respekt vor der Verantwortungsbereitschaft, der Haltung, den Leistungen dieser herrschenden Schicht, die sich von denen des heutigen "Geldadels" deutlich unterscheiden.

[ zurück zur Zeittafel]

Wie der Anfang in des Herrn Namen gemacht war, so auch das Mittel, die Hochzeitsfeier selbst. Schon einige Tage vorher langten mehrere hohe Gäste in vier- und sechsspännigen Wagen hier an und Alle blieben [zur] Nacht auf dem Schlosse, mit der Dienerschaft sechzig an der Zahl. Die Vorfeier des letzten Tages, der sog. Polterabend, wurde in der Stille des Hauses begangen. Einige wenige Lieder und Glückwünsche der Schuljugend von Tribohm und Schlemmin unterbrachen diese nicht, weil sie vielmehr angemessen und sowohl zu hoher Freude als zu heil'gem Ernste stimmten. Der Überraschungen waren manche für das junge Brautpaar, zum Beispiel ein goldenes Armband von Ihrer Majestät der Königin (Elisabeth, geb. von Bayern) mit dem Losungsworte auf den Hochzeitstag; auch trafen mehrere Bibeln und die Lieder der Hauptsänger unserer evangelischen Kirche, Luthers's und Paul Gerhard's ein in Prachtbänden mit bezüglichen Sinnsprüchen und Segenswünschen.

Die Trauhandlung selbst geschah nach Ordnung der ev. luterischen Kirche und ward geschlossen mit dem Verse: Die wir uns allhier beisammen finden, schlagen unsre Hände ein, uns auf Deine Marter zu verbinden, Dir auf ewig treu zu sein. Um 4 Uhr war die kirchliche Feier beendigt; um 5 Uhr ging es zur Tafel, die aus 30 Gedecken bestand, an welcher lauter Grafen, Gräfinnen und hohe Adlige außer dem Pastor Graeff aus Tribohm, dem Wirtschafts-Inspector Engel, dem trauenden Pastor (Man hört geradezu das Herzklopfen des jungen Pastors, in dessen erstes Dienstjahr diese Hochzeit fällt.) und dessen Ehefrau teilnahmen ( Wenn man die oben erwähnten sechzig anwesenden Menschen zugrundelegt, muß die Dienerschaft demnach etwa 30 Köpfe stark gewesen sein!). Das Stadtmusikchor aus Barth spielte während derselben; geistliche Melodien fehlten nicht. Nach 2 Stunden war das frohe Mahl beendet, worauf der Kaffe und später der Thee serviert wurde; um 10½ Uhr ging die Gesellschaft nach einem gemeinsamen: Allein Gott in der Höh' sei Ehr! in die oberen Gemächer des Schlosses zur Ruhe.

Es ist noch übrig, mit einigen Worten des Endes des ganzen herrlichen Festes zu gedenken. Sonntags darauf nämlich, am 13ten November d.J. vor seiner Abreise nach Potsdam genoß das Ehepaar mit Mutter und Schwester der jungen Frau Gräfin das H. Abendmahl. Schon 8 Tage vor der Hochzeit hatten sich dieselben Glieder der Familie nach Anmeldung beim Geistlichen zur Beichthandlung im Gotteshause eingefunden und mit der Gemeinde die allgemeine und spezielle Absolution empfangen. Durch ernstliches Uebelfinden der Frau Generalin wurden die Herrschaften bewogen, die Mitfeier des H. Sacraments bis nach der Hochzeit aufzuschieben. Nach abermaliger ordentlicher Beichte und Absolution genoßen dieselben das H. Abendmahl mit 19 Gliedern der Gemeinde am 25ten Sonntage nach Trinitatis zur Ehre des Herrn, zu unserer gemeinsamen Erbauung und zum bleibenden Segen auf ihrem, so Gott will, langen, glückseligen Lebenswege.


Das walte, Herr Jesu, über und in uns Allen! Amen

[ zurück zur Zeittafel]
© Pfarramt Ahrenshagen, 05.02.2002
 ValidCSS-Validierung