Ein Artikel der Pommerschen Kirchenzeitung vom 10. Februar 2001, verfaßt von EPD-Korrespondent Raimund Nitzsche, dessen Text wir, seine freundliche Genehmigung voraussetzend, hier wiedergeben.

Kriegswaffen, Mondphasen, Holzwürmer

Nach 40 Jahren Schweigen soll die Schlemminer Orgel wieder erklingen

Nur so konnten sie halbwegs sicher sein, dass die Holzwürmer keinen Geschmack an ihnen finden, erzählt der Orgelbauer von der Rostocker Firma Martin-Christian Schmidt. Erst heute würden Wissenschaftler mühsam den Zusammenhang zwischen Mondphasen und Jahreszeit des Holzeinschlags mit der späteren Anfälligkeit für Schädlinge untersuchen.

Doch anderes sieht es mit den Metallpfeifen aus. Mit Holzlatten wurde der Orgelprospekt verkleidet, nachdem 1917 die polierten Prospektpfeifen für die Rüstungsproduktion abgeliefert werden mussten. Und die übrigen wurden in den 60ger Jahren wegen angeblicher Korrosion herausgenommen und achtlos in eine Kiste geworfen. Einige Pfeifen sehen deshalb verbeult aus, viele fehlen. Und keiner kann so ganz genau sagen, ob nicht etliche von ihnen inzwischen in andere Orgeln von Buchholz eingebaut wurden. Er vermute, dass es zu einem heimlichen Austausch gekommen sei, meint Wienecke. Anders sei es nicht erklären, dass sich beim Sortieren auch Pfeifen gefunden hätten, die bestimmt nicht nach Schlemmin gehören.

Denn die Schlemminer Orgel ist ein Denkmal für den Orgelbau des 19. Jahrhunderts in der Region. Zwar gibt es sehr viele Buchholz-Orgeln hierzulande. Doch die meisten sind in späteren Zeiten stark verändert und dem jeweiligen Zeitgeist angepasst worden. In Schlemmin, so scheint es, hatte man dafür nie genügend Geld. Hier ist bei allen Schäden noch eine echte Buchholz-Orgel erhalten geblieben. Nicht einmal ein elektrischer Blasebalg wurde bislang eingebaut. Und das soll die einzige Modernisierung sein, wenn die Schlemminer Orgel zu Ostern nach 40 Jahren erstmals wieder erklingen wird.

© Pfarramt Ahrenshagen, 14.02.2002