Eskalation im Schlemminer Eierkrieg - Jahr 1921

Es sind zwei Jahre vergangen ...


Dazu liegen keine Akten vor. Klar ist, daß zum Antrag nicht entschieden wird und der Streit eskaliert. Die Zahl der Eierverweigerer wächst auf 14. Es wird Anfang 1921 vom Gemeindekirchenrat Klage beim Kreisausschuß erhoben, der offenbar Stellungnahmen der Beklagten einholt, welche in später gefertigter Abschrift vorliegen. Die Schreiben lassen erkennen, daß jetzt Pastor und Kirchenvorstand die Gegner sind. Es folgt zunächst eine Auswahl dieser im Mai 1921 gefertigten Stellungnahmen.

Zwei Stellungnahmen Beklagter

Auf das Schreiben vom 25.4.21 bezugnehmend erkläre ich, dass ich 1919 nicht in der Lage war dem Küster die Eier zu schicken da mein Mann schon seit 1915 in der Heilanstalt ist und ich allein für meine Kinder und mich zu sorgen habe. In ich bin auch heute ebensowenig in der Lage dazu und werde die Eier auch nicht geben so wie hier gesagt wird, können die 10 Eier auch durch Geld abgelöst werden und zwar 38 Pf. nach früheren Preis diese 38 Pf. will ich geben mehr nicht. Nun möchte ich den Kreisausschuss bitten dafür zu sorgen dass diese Eiergeschichte endlich mal aus der Welt geschafft wird.

gez. Frau H.

N.T. Auch möchte ich den Kreisausschuss bitten Herrn Pastor Kröcher dahin zu belehren dass ich keine Witwe bin sondern mein Mann noch lebt. Aua, Aua, Herr Pastor, das saß!


Zur Erläuterung: Der Küster lehnte die Annahme von 5 Mark anstelle der Eier aus einem menschlich verständlichen Grunde ab. Es gab einen gesetzlichen Höchstpreis, 50 Pfennig pro Ei, auf dem Markt erlöste man aber wesentlich mehr. Deshalb wollten -menschlich genauso verständlich- plötzlich so viele Schlemminer keine Eier mehr abgeben, sondern lieber zahlen.

.. diejenige des Erstantragstellers ...

Ich bin getaufter Christ und wünsche es zu bleiben, besuche aber die hiesige Kirche nicht, weil der Kirchen-Vorstand einseitig das Recht für die Kirchen-Vertreter fordert.

Der Küster erhält laut vertraglicher Abmachungen (stimmt: Was man heute Arbeitsvertrag nennt, enthält seitens des anstellenden Patronats die Zusage über alle Naturallieferungen, auch der Eier. Die sind natürlich nicht vom Patronat, sondern von den Einwohnern zu liefern), so viel Getreide, daß er sich 2 Zuchtgänse, 1 Gänserich cirka 30 Hühner 2 Kühe und bis 5 Schweine hält. Ich habe keinen gesetzlichen Anspruch auf Getreidelieferung da noch Zwangswirtschaft besteht, Schwierigkeiten überhaupt Futtermittel für meine Hühner zu bekommen. Muß der Küster seine kirchlichen Leistungen besonders vergütet haben (eigentlich geht es mehr um das Lehrergehalt!), so wäre eine Entschädigung in bar den jetzigen Verhältnissen angepasst (wo er recht hat, hat er recht!). Soll aber nach gleichen Gesetz jede Feuerstelle Eier liefern warum ist diese Pflicht den hiesigen Postboten und der Rentiere (=eigentlich Rentnerin, aber damals noch der Ausnahmefall, also eine "bessergestellte" Dame) Frl. J. noch nie zur Pflicht gemacht? Letztere gestattet ihr Vermögen das Halten eines Dienstmädchens.

2. Trotz der Zwangswirtschaft werden Geburtstage und sonstige Festlichkeiten im Hause des Küsters mit besonderem Glanz gefeiert. Wiederholt habe ich einige Tage vorher große Schüsseln mit Eierschalen auf den Dunghaufen wandern sehen. Kann da die Kirche fordern, dass ich mir bei der Lebensmittelknappheit 10 Eier abfaste, damit der Küster fette Tage lebt?

3. Wie verantwortet die Kirche ihre vermeintlich gerechte Forderung der notleidenden Menschheit gegenüber. Hier am Schulgebäude prangte seinerzeit die Aufforderung zur Spende für die Kinderhilfe. Das Ausland greift helfend ein mit Kinderspeisungen und der hiesige Küster braucht ausser dem Eierertrag aus seiner Hühnerhaltung jährlich noch zirka 500 Eier (wenn nicht noch mehr) für kirchliche Bemühungen. Dieselbe Kirche lehrt sicher doch heute noch: Wer zwei Röcke hat, gebe dem der keinen hat.

4. ...


Während man beim staatsbeamteten Postagenten, dem es eher relativ gut geht, über die Motive diskutieren kann, weigern sich andere, wie oben die Nicht-Witwe H., aus blanker Not:

Zwei weitere. Neue Lage durch Verzicht?

B. Schlemmin, den 11. Mai 1921

Auf Ihr wertes Schreiben erlaube ich mir paar Zeilen zu schreiben während ich zu Hause bin aus dem Felde sind wir schon dauerend belästigt worden wegen die Eier habe vorher nicht gewusst warum ich welche abliefern musste weiss es jetzt noch nicht voriges Jahr bekamen wir ein Schreiben von Ribnitz da wollten wir die Sache auf den Grund gehen da hat der Lehrer auf verzichtet um schon wieder wenn er weiss ihn stehen sie zu warum verzichtet er denn darauf. Und mein Haushalt ist zu gross liefern kann ich keine.


Selig sind die Friedfertigen? Der Verzicht des Küsters, um des lieben Friedens willens, wird nicht honoriert. Von keiner Seite übrigens, wie das Weitere zeigt:

Das wäre zu einfach

Dieser Schriftsatz, der nur die Äußerung einer Rechtsauffassung enthält, bedarf wohl keiner Zustellung an die 14 Beklagten. Ich reiche ihn deshalb nur in einer Ausfertigung ein.
gezeichnet Dr. Langemak
Justizrat und Notar

An den Gemeindekirchenrat in Schlemmin.

Vorstehende Abschrift sende ich zur gefl. Kenntnisnahme.
Stralsund, den 4. Juni 1921.
Dr. Langemak
Justizrat und Notar.

Ich habe Vertagung des Termins vom 8. Juni des Jahres beantragt
D. O.

Im Namen des Volkes!

Gründe


Der Kläger hat unter dem 10. Januar d. Js. Klage im Verwaltungsstreitverfahren erhoben mit dem Antrage, die Beklagten zu verurteilen, daß jeder von ihnen an den Küster in Schlemmin für Ostern 1919 und für Ostern 1920 die 10 Eier, also jeder von ihnen 20 Eier unverzüglich zu liefern habe, den Beklagten auch die Kosten des Rechtsstreits aufzuerlegen. Zur Begründung wird angeführt. Seit altersher habe jede Feuerstelle (heute würde man es Haushalt nennen) im Kirchspiel Schlemmin an den Inhaber der Küsterlehrerstelle zu Ostern jeden Jahres 10 Eier zu liefern. Diese Lieferung bilde einen Teil des kirchlichen Diensteinkommens des Küsters zu Schlemmin.

Bis in die letzten Jahre sei diese Lieferung auch von allen Feuerstellen regelmäßig geleistet worden. Erst in den letzten Jahren hätten einzelne Feuerstelleninhaber im die Lieferung unterlassen und trotz Aufforderung sie nicht nachgeholt.

Mit den Lieferungen seien die 14 Beklagten für 1919 und 1920 im Rückstande. Sie seien durch Mahnschreiben vom 2. September v. Js. nochmals ausdrücklich zur Lieferung aufgefordert worden, aber vergeblich.

Es handelt sich um eine Abgabe des öffentlichen Rechts und nicht des bürgerlichen Rechts. Deshalb sei das Verwaltungsstreitverfahren zuständig. Der Anspruch beruhe auf jahrhundertealtem Kirchenrecht. Schon in der Matrikel der Kirchengemeinde Schlemmin aus dem Jahre 1583 sei folgendes festgesetzt.

"Jeder Baumann gibt auf Ostern dem Küster 20 Eier, jeder Kotze 10 Eier."

Gegenüber der Kirchengemeinde Schlemmin bestehe diese Lieferung auf Seiten der Feuerstelleninhaber des Kirchspiels. Die Lieferung erfolgen zugunsten des Küsters der Kirche, um sein Diensteinkommen zu gewährleisten.


Fortsetzung nächster Kasten, linke Spalte!

...fortgesetzte Urteilsbegründung

Deshalb habe er auch 1920 kein Geld mehr geschickt.
Auf das Mahnschreiben vom 2. September 1920 habe er nicht geantwortet, da ihm der Arbeiter E. gesagt habe, der Küster habe auf die Eierlieferung verzichtet. Dieser sei auch niemals mehr mit der Forderung wieder an ihn herangetreten.
Er stehe auf dem Standpunkt, daß die Pflicht zur Lieferung von Eiern durch die langjährige Übung, sie in bar zu bezahlen, aufgehoben sei, der Gemeindekirchenrat also nur die Zahlung der Beträge, nicht aber die Lieferung von 20 Eiern verlangen könne.
5 W.
Seit März 1907 wohne er in Schlemmin. Dort habe die alte Sitte bestanden, daß der Küster in jedem Jahre 10 Eier oder 38 Pfennig später 50 Pfennig bekäme. Da er keine Hühner gehabt habe und somit auch keine Eier habe liefern können, so habe er die ersten Jahre 38 Pf., später 50 Pf. bezahlt. Mehrere Male habe er auch Eier geliefert, für die letzten Jahre aber nur Geld gezahlt, im Frühjahr 2,65 M. Im Frühjahr 1920 habe er 5 M geboten, deren Annahme sei aber verweigert worden. Anfangs September v. Js. habe der Küste erklärt, er verzichte auf die Eier und Geld, da er mit den Einwohnern in Frieden leben wolle. W. stellt den Antrag die Sache dahin zu regeln, dass, wenn es sein müßte, eine Kirchensteuer zu entrichten sei. Eier kaufen und abliefern könne er nicht.
6 V.
Es besteht in Schlemmin die alte Sitte, daß dem Inhaber der Küsterstelle zu Ostern jeden Jahres 10 Eier geliefert wurden. Wenn diese einmal nicht geliefert worden seien, dann habe er diese im Herbst gelegentlich der Erhebung des Vierzeitengeldes gefordert oder 38 Pfg., welcher Satz später auf 50 Pfg. erhöht worden sei. In der Kriegszeit sei nur Geld gegeben worden. 1919 habe er 2,65 M und 1920 5 M an den Küster geschickt, weil dies der Höchstpreis gewesen sei. Der Küster habe die Annahme mit der Begründung abgelehnt, die Eier seien teurer und habe Eier verlangt. Infolge Aufforderung eines Rechtsanwalts Anfang September v. Js. die Eier zu liefern, habe er dieserhalb mit dem Küster Rücksprache genommen, welcher erklärt habe, er verzichtet auf alles, er wolle mit den Leuten in Frieden leben. Zahlungsverweigerung liege nicht vor sondern der Kirchenrat bestehe auf die Lieferung.
7. E.,)
8. W.,) ebenso
Fortsetzung links unten!

... immer noch Urteilsbegründung

Der Küster erhalte nach vertraglichen Abmachungen so viel Getreide, daß er sich 2 Zuchtgänse, einen Gänserich, 30 Hühner, 2 Kühe und bis 5 Schweine halte. Er habe keinen gesetzlichen Anspruch auf Getreidelieferung und da noch Zwangswirtschaft bestehe, Schwierigkeiten, überhaupt Futtermittel für seine Hühner zu erhalten. Eine Entschädigung in bar für Ablösung der Eierlieferung wäre den jetzigen Verhältnissen entsprechend. Wenn aber nach Kirchengesetz jede Feuerstelle Eier liefern solle, warum hätten denn der Pastor (im oben angeführten Schreiben des K. steht an dieser Stelle "den hiesigen Postboten"!) und Fräulein Rentiere J., die sich ein Dienstmädchen halten könne, diese Pflicht nicht. Die Geburts- und sonstigen Festlichkeiten würden im Hause des Küsters trotz Zwangswirtschaft mit besonderem Glanz gefeiert. Da könne die Kirche von ihm nicht fordern, daß er sich bei der Lebensmittelknappheit 10 Eier für den Küste abfaste.
Das Ausland greife helfend ein mit der Spende für die Kinderhilfe und Speisung notleidende Kinder und der dortige Küster brauche ausser dem Eierertrage aus seiner Hühnerhaltung jährlich noch 500 Eier oder noch mehr für kirchliche Bemühungen. Nach Angabe des Arbeiters E. habe der Lehrer Bartholdi nach dem Mahnschreiben vom 2. September v. Js. am 4. desselben Monats auch auf die Eierlieferung mit der Begründung verzichtet, er wolle sich mit der Gemeinde nicht überwerfen.
Der Beklagte S. hat eine Gegenerklärung nicht abgegeben.
Der Kläger hat noch mit seinem Schriftsatz vom 4. Juni d. Js. entgegnet, daß der angebliche Verzicht des Küsters auf die Eierlieferung völlig unerheblich sei. Auf das mit der Klage geltend gemachte Recht könne der Küster seinerseits nicht verzichten. Denn diese recht bestehe zugunsten der Küsterei und jedes künftigen Küsters. Wolle der Küster die Abgabe nicht haben, so komme sie dem Kirchenvermögen zu.


fortgesetzte Fortsetzung unten links!

... und noch immer Urteilsbegründung

In dem Verhandlungstermin vom 26. September d. Js. wiederholte der Vertreter des Klägers, daß nach einer Matrikel der Kirchengemeinde Schlemmin aus dem Jahr 1583 die Verpflichtung zur Eierlieferung für die Feuerstellen der Kirchengemeinde bestehe. Durch den Krieg und die Eierbeschlagnahme sei wohl eine Unterbrechung in der Eierlieferung vorgekommen.

Die kirchlichen Körperschaften hätten aber nach Beendigung des Krieges die Weiterlieferung gefordert zum Teil auch Ablösung in Geld vorgenommen. Eine Ablösung dieses Gewohnheitsrechtes sei bisher nicht erfolgt. Dazu sei auch die Genehmigung des Konsistoriums erforderlich.

Die Beklagten erklärten auf Befragen, dass sie in Schlemmin wohnhaft seien, S. seit 27 Jahren, W. seit 5. Mai 1919, S. seit 1909, S. seit 1906, W. seit 1908, V. seit 1907, E. seit 1909, S. seit 39 Jahren, W. seit 48 Jahren, H. seit 30 Jahren, H. seit 25 Jahren, B. seit 1912, T. seit 1888 und W. seit 1917. Keiner von ihnen habe in Schlemmin einen eigenen Grundbesitz.

Die Eierlieferung hätten sie stets mit Widerstreben geleistet, da sie sich rechtlich dazu nicht für verpflichtet gehalten hätten. Die Lieferungen wären auch wohl zum Teil weiter erfolgt, wenn der Küste darauf nicht verzichtet hätte.

Es war, wie geschehen, die Klage abzuweisen. Der Klageanspruch gründet sich auf die Matrikel vom Jahr 1583 und auf Gewohnheitsrecht (Observanz). Die Matrikel lautet:

"Jeder Baumann gibt auf Ostern dem Küster 20 Eier.
Jeder Kotze 10 Eier".

Nach allgemeinem Sprachgebrauch ist unter Baumann die jetzige Bezeichnung "Bauer" und unter Kotze die jetzige Bezeichnung "Kossät" (Kleinbesitzer) zu verstehen. Zu diesen gehören aber die sämtlichen Beklagten nicht, da sie keinen eigenen Besitz haben. Die Matrikel begründet somit für die Beklagten keine Verpflichtung zur Eierlieferung. Es ist anzunehmen, daß z. Z. des Erlasses der Matrikel in Schlemmin Bauern und Kossäten ansässig waren, welche die Matrikel zur Eierlieferung verpflichten sollte.
Auch aus der vom Gemeindekirchenrat am 24. November 1887 vollzogenen Eintragung in das Lagerbuch, dass jede Feuerstelle ½ Stiege Eier, der Hof 1 ½ Stiege zu liefern habe, ist die Pflicht der jetzigen Beklagten zur Lieferung nicht ohne weiteres zu folgern, und zwar um so weniger, als nach der Eintragung dem Küster nur empfohlen wird, daß er sich laut Matrikel § 26 und nach Observanz zur Regulierung der Ostererhebung ½ Stiege (10 Eier) von jedem gewöhnlichen Haushalt am besten in Natura zu rechten Zeit liefern lasse.

Dickes Ende der Urteilsbegründung - die Kostenrechnung

Ein wenig Urteilskommentar:

1. Daß Nicht-Besitzer keine Naturalien liefern müssen, klingt erst mal vernünftig. Allerdings, keiner der Beklagten hat jemals geäußert, er habe keine Hühner. Da die Eierlieferung das war, was heute Steuer ist, bestimmt zur Sicherstellung des Schulunterrichts, erhebt sich die Frage, war es mehr eine Art Grundsteuer (die man heute auf den Pächter oder Mieter umlegt) oder eine Art Einkommenssteuer, um die jedenfalls die kleinen Einkommensbezieher nicht herum kommen?

2. Interessant die Sache mit dem Widerstreben. Die sollte Nachahmung finden. Kennt jemand etwa einen Jemand, der ohne stetiges Widerstreben Steuer zahlt? Ach hätte doch der Franzburger Kreisausschuß das Sagen, da würde der Herr Minister Weigel/Eichel/Steinbrück schön dumm aus der Wäsche gucken!

3. Kleines Rechenexempel: Bei angenommen 5 Mark pro Feuerstelle mal 14 haben wir einen jährlichen Schaden von 70 Mark. Die Klage hat den Gemeindekirchenrat (ohne die Anwaltskosten!) zusätzlich soviel gekostet, wie 263,30/70 = 3,76 Jahre Eierstreik. Und das war nur die allererste Instanz.

Berufung

Über die Höhe entstanden Zweifel und so kam es zu Unstimmigkeiten. Diese wenigen Kriegsjahre können am der durch Jahrhunderte altersgewohnten Rechte begründeten Verpflichtung nicht das geringste ändern. Wollen die Beklagten die Verpflichtung in Abrede stellen, so müssen Sie ihrerseits nachweisen, weshalb sie zu demjenigen nicht verpflichtet sind, was Jahrhunderte hindurch von allen Beteiligten geleistet worden ist.

Die Redensart des inneren Widerstrebens ist dazu völlig ungeeignet. Auf seiten des Berechtigten war stets das Bewusstsein der Verbindlichkeit vorhanden. Die Tatsachen, die dies bezeugen, ergeben sich aus dem angefochtenen Urteil genügend selbst. Die Empfehlung, die der Gemeinde-Kirchenrat und die wahlberechtigten Gemeindemitglieder am 4. Oktober 1874 ausgesprochen haben, bezieht sich ganz offenbar nur auf die Art der Einziehung. Sie empfiehlt den abgekürzter Weg der Einsammlung der Eier durch den Küster direkt an Stelle der Einziehung durch die Kirchengemeinde und demnächstigen Ablieferung an den Küster.

Es ist unerfindlich, wie diese Protokollierung gegen die Berechtigung der Forderung ausgespielt werden kann.


Das Urteil des Kreisausschusses ist völlig unhaltbar und muss deshalb der Aufhebung unterliegen.


gez. Dr. Langemak
Justizrat und Notar.


An den Gemeindekirchenrat Schlemmin
zu Händen des Herrn Pastor Kröcher in Triebohm.

Sehr geehrter Herrn Pastor!
Vorstehende Abschriften sende ich zur gefl. Kenntnisnahme.

Stralsund, den 21. Oktober 1921.

Dr. Langemak
Justizrat und Notar.

Gegenerklärungen Beklagter

Dass die Lieferung in die Kriegszeit hinein erfolgt ist, ist vielfach darauf zurückzuführen, dass diejenigen Kinder, wo die Eltern nicht zu rechter Zeit lieferten von jeher das in der Schule entgelten mussten. Die Jahrhundert alte Sitte ist doch kein Beweis, dass es Jahrhunderte lang weiter bestehen muss. Der Krieg hat auch an anderen Dingen Änderungen geschaffen, die mir auch nicht lieb sind. Ich habe hier bis zum Kriegsausbruch jeden Herbst nach vollendeter Ernte ¼ Schaf 1 Weizenbrodt 1 Roggenbrodt 1 Pfund Reis 1 Liter Branntwein jeden Frühjahr 9 Mark Wollgeld erhalten und muss leider diese, für mich und meine Familie sehr schätzenswerte Bedürfnisse durch den Krieg verschmerzen, weil diese Lieferung nicht mehr besteht.
Wieder bin ich wegen Nichtlieferung führ das Jahr 1919 verklagt ich habe für das Jahr 1919 Eier geliefert und für 1920 hat Küster Bartholdi darauf verzichtet, und für 1920 und 1921 ist wohl so ziemlich die ganze Gemeinde mit der Lieferung rückständig, einzelne haben Abmachungen getroffen, wenn wir schwarzen Schafe damit reingefallen wären, würden sie ihre Eier nachträglich liefern.
Ist noch ein Recht vorhanden bei derartigen Abmachungen.



Ich weise nochmals auf meinem ersten Schreiben hin, dass der Küster zu Schlemmin auf Naturalien wie auf Geld verzichtet hat. Dass die Lieferung an Geld oder Eiern bis zum Ausbruch des Weltkrieges geleistet worden ist wird nicht bestritten, weil ich zur damaligen Zeit mich unter der Herrschaft der obersten Stufen stellen musste, mich jedoch jetzt als freier Mann betrachte. Der Küster zu Schlemmin, welcher über einer größeren Zahl an Hühner verfügt wie ich und denselben dann noch Eier liefern soll halte ich für eine Unrichtigkeit, wenn selbst das Kirchengesetz von 1583 besteht so bin ich dann immer noch kein Grundbesitzer.
gez. S.
Neuenrost, den 28. November 1921.

© Pfarramt Ahrenshagen, 30.04.2002
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