Taktische Wendungen im Schlemminer Eierkrieg - Jahr 1923

Klageschrift


Stralsund, den 14. Oktober 1923.

Klage


der Kirchengemeinde Schlemmin
vertreten durch den Gemeindekirchenrat
dieser vertreten durch den Pastor Kröcher zu Tribohm Kreis Franzburg
als Vorsitzenden,
im Prozeß vertreten durch den Justizrat Dr. Langemak,
hier,

Klägers,


gegen
1). Postagent K.,
2) Briefträger K.,
3) Arbeiter A. S.
sämtlich zu Schlemmin und weitere 48 Mitbeklagte wegen Lieferung von Eier.


S a c h v e r h a l t .

Nach uraltem Herkommen haben die Beklagten als Einwohner der Kirchengemeinde Schlemmin zu Ostern jeden Jahres 10 Eier für ihre Feuerstelle als Naturalabgabe an den Küster zu Schlemmin zu leisten. Sie haben sich geweigert diese Leistung fortzusetzen und haben insbesondere zu Ostern 1922/23 nicht geliefert. Ausser ihnen haben sich noch 46 andere Gemeindemitglieder aus Schlemmin, Neuenrost und Eickhoff geweigert. Die Namen derselben sind folgende:
Es folgen die Namen mit Berufsangaben
   Es wird beantragt, die sämtlichen Beklagten zu verurteilen, jeder 10 Eier als rückständige Eierlieferung für Ostern 1923 an den Küster in Schlemmin zu liefern, oder den Wert nach dem Eierpreise am Tage der Zahlung an den Küster zu Schlemmin zu erstatten.
49 Abschriften der Klage für die Beklagten werden beigefügt.



Pastor Kröcher,

zu Tribohm
Kreis Franzburg.
Vorstehende Abschrift übersende ich zur gefälligen Kenntnisnahme.
Stralsund, den 7. November 1923. Hochachtungsvoll
Dr. Langemak
Justizrat u. Notar.


Vor lauter Eier(n) hat Herr Justizrat Probleme mit der deutschen Sprache und dem Rechnen. Nach den aufgezählten Namen geht es gegen 49 Beklagte, in der Mehrheit Arbeiter, aber auch 6 Witwen.
Es ist nicht bekannt, ob diese Klage eingereicht worden ist.

© Pfarramt Ahrenshagen, 30.04.2002
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