Zur Dorfkirche in Tribohm

von Dr. Gerhard Stephan, Tribohm

Kirche in Tribohm
Abbildung1: Die Tribohmer Kirche

Die wesentlichen Merkmale dieser Bauzeit sind für Kirchen, die dem romanischen Baustil zuzuordnen sind, schmale und hohe Fenster, die oben mit einem Rundbogen abschließen und mit schrägen Laibungen in die Wände eingesetzt sind.

Weiterhin fehlen Strebepfeiler oder Kragsteine für eine spätere Ergänzung mit Gewölben, da nur schmale Gebäude errichtet wurden, für die eine Flachdecke genügte. Nur wenig Backsteine fanden Verwendung. Abbildung 1 vermittelt einen Eindruck von dem Gebäude, umrahmt von Bäumen, die den Friedhof begrenzen.

Der Grundriss


Obwohl der Bau auf einem einfachen Konzept beruht, hat der Baumeister, der die Errichtung der Kirche plante, die Aufteilung der Länge des Gebäudes in Langhaus und Chor mit einem auf den ersten Blick nicht erkennbaren Gedanken vorgenommen.

Zu dieser Annahme führen die in nachfolgender Tabelle enthaltenen Außenmaße des Gebäudes (Abb. 2)

Die Abmessungen der Kirche
StreckeBezeichnungWert
AB Gesamtlänge25,93 m
AC Länge des Chors9,34 m
BC Länge des Langhauses16,59 m
AD Breite des Chors9,38 m
BE Breite des Langhauses12,30 m
  Breite (=Stärke) der Querwand1,06 m

Nimmt man den Schnittpunkt der Längsachse der Kirche mit einer durch die Mitte der Querwand gedachten Geraden als Teilungspunkt (r) an, so ergibt sich eine Aufteilung der Längen nach dem "Goldenen Schnitt", denn es resultieren folgende Längenverhältnisse:

(BC - 0,53) / AB = 0,6194
(AC + 0,53) / BC = 0,6146

Wenn das Verhältnis den Betrag 0,618 ergeben würde, dann läge eine genaue Teilung nach dem Goldenen Schnitt vor. Die Abweichungen von diesem Betrag sind aber so gering, dass es gerechtfertigt erscheint, eine Absicht des Baumeisters anzunehmen.

Der Goldene Schnitt


Rechnerisch ergibt sich nach dem Satz des Pythagoras für ein rechtwinkliges Dreieck aus einer zu teilenden Strecke (a) und der in einem Endpunkt von (a) errichteten - Senkrechten mit der Länge c = 0,5*a die größere Teilstrecke b = 0,618*a.

Setzt man a = 1, so gilt in dem rechtwinkligen Dreieck für die Hypothenuse (h)

h = Wurzel(1+0,25) = 1,118
h minus Länge der Senkrechten = h - 0, 5 = 0,618
1 - 0,618 = 0, 362 = kürzere Teilstrecke
0,382/0,618 = 0,618
0, 618 / ( 0,382 + 0,618) = 0,618

Dass die Teilung nach dem Goldenen Schnitt im Mittelalter bekannt war, kann mit Sicherheit vorausgesetzt werden.

Die Breite des Langhauses


Die Verwendung des Magdeburger Fußes unterstreicht den erwähnten altmärkischen Einfluss auf den Bau der Kirche, dessen historisch zu begründender Anlass bisher nicht bekannt ist, vielleicht aber einfach durch den Auftrag des Bischofs an eine altmärkische Bauhütte erklärt werden kann.

Die Breite des Langhauses sollte nach dem Entwurf des Baumeisters diejenige des -Chores übersteigen. Um auch hier nicht willkürlich zu verfahren, betrachtete er die Länge des Chores bis (T) und die halbe Breite des Langhauses als eine Strecke und teilte sie ebenfalls nach dem Goldenen Schnitt. Auf diese Weise ergab sich für die halbe Breite des Langhauses (31,5 /0,618) - 31,5 = 19,5 Fuß = 6,12 m. Dieser Betrag ist nur um 3 cm kleiner als die gemessene halbe Breite, so dass es sehr wahrscheinlich ist, dass der mittelalterliche Baumeister in der geschilderten Weise vorgegangen ist und ein Bauwerk errichtete, in dem er die "Göttlichen Proportion" manifestieren wollte.

Verwendete Literatur:


Wehrmann, M.: Geschichte von Pommern. Gotha 1904

Wußling, H.: in Lexikon der Antike, Leipzig 1978

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© Pfarramt Ahrenshagen, 15.08.2005
 
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