Die Tribohmer Kirche und der 25. November
Teil 2 der Überlegungen zur Bemessung und Anordnung

von Dr. Gerhard Stephan, Tribohm


Geht man bei den Überlegungen, die den Baumeister geleitet haben könnten, von der Teilung der Längsachse nach dem Goldenen Schnitt aus, so erreicht eine vom Teilungspunkt (T) rechtwinklig zur Längsachse gedachte Gerade die Außenwand im Punkt (F) des Grundrisses. Eine weitere von (F) zur Mitte der Außenwand des Ostgiebers gedachte Gerade erreicht den Punkt (G) und bildet mit der Geraden (TF den Winkel.

tan α = (9,32, + 0,53) / 6,15 und α = 58,18 Grad.

Wegen der Drehung der Kirche aus der West-Ostrichtung bildet die Ostwand mit der Richtung des Nordsterns einen Winkel von 7,72 Grad. Der Winkel (γ), den die Verlängerung der Geraden (FG) mit der Nordrichtung bildet, erhält damit den Betrag

γ =180 + 7,72 - 58,18 = 129,54 Grad.

Der Beweggrund des Baumeisters, die Kirche in der dargestellten Weise zu errichten, könnte darin bestanden haben. die Gerade (FG) an einem für die Kirche bedeutsamen Tag auf den Aufgang derSonne zu richten. Als ein besonderer Tag kann der 25. November angesehen werden.

Dieser Tag gilt als der Namenstag der Heiligen Katharina, der möglicherweise die Kirche in Tribohm geweiht wurde. Für diese Annahme spricht, dass auf der Palmziner Gemarkung ein kleines Feld liegt, das in den Erläuterungen zu den schwedischen Matrikelkarten von 1696 als "Catharinenwurth mit zwei Scheffel Aussaat bezeichnet wird und der Kirche zu Tribohm gehörte [2]. Man kann annehmen, dass die Landleute das Feld deshalb mit diesem Flurnamen belegt haben, weil sie zum Ausdruck bringen wollten, es gehöre "der Katharina".

Der Tag, an dem die Gerade (FG) auf die aufgehende Sonne gerichtet ist, wid von dem Winkel (δ) bestimmt, der die Höhe der Sonne über der Äquatorebene angibt und sich auf der Bahn der Erde um die Sonne kontinuierlich zwischen 23,45 und minus 23,45 Grad ändert. Die Richtung des Sonnenaufgangs ist weiterhin von der geographischen Breite (φ) des jeweiligen Ortes abhängig, die für Tribohm 54,207 Grad beträgt. Die Beziehung, die die Berechnung von δ ermöglicht, lautet [1]

cos γ = sin δ / cos φ

aus der δ = - 21,66 Grad resultiert. Für diesen Betrag ergibt sich aus einer entsprechenden Tabelle [5] ein Datum zwischen dem 2. und dem 3. Dezember.

Die Korrektur des Datums.


Für die errechnete Sonnenhöhe von minus 21,86 Grad ergibt die Interpolation der in [5] angegebenen Sonnenhöhen von - 21,78 für den 2. Dezember und - 21,93 für den 3. Dezember den 2,53. Dezember, woraus 32,53 - 7,28 = 25,25 resultiert. Die Korrektur des Datums führt damit auf den 25. November.

Das dargelegte Ergebnis der Betrachtung der Abmaße der Tribohmer Kirche ist von Professor Schlosser, Ruhr-Universität Bochum, überprüft und mit den Worten bestätigt worden: "... in der Tat schien die Sonne am 25.11.1240 beim Aufgang unter besagtem Winkel gegen die Ostwand und war für Null Grad Höhe 51,4 bzw 128,6 Grad und für 1 Grad Höhe 49,3 bzw 130,7 Grad, so dass Ihr Wert 129,54 Grad genau dazwischen liegt. Julianisches Datum und Refraktion wurden berücksichtigt" [6].

Die dargelegten Ergebnisse von Messungen und Überlegungen sprechen sehr dafür, dass der ungewöhnlich kenntnisreiche mittelalterliche Baumeister die Kirche in Tribohm mit der Absicht einer verborgenen Erinnerung an die Heilige Katharina gestalten wollte.

Skizze und verwendete Literatur



[1] Albrandt, K.R. Junge, H.: Formelsammlung Navigation. DSV Verlag 1997

[2] Curschmann, F.: Matrikelkarten von Vorpommern 1692. 98, Karten und Texte, Carl-Hinstorff-Verlag Rostock 1944.

[3] Gregorianischer Kalender, Physikalische u. Technische Bundesanstalt. Informationsauszug 4.32 Zeiteinheit. o.J.

[4] Schöfbeck, St.-T,: Die Dorfkirche von Tribohm, Baugeschichtliches und kunsthistorisches Gutachten. Manuskript August 2003. hier zuänglich!

[5] Schülke. A.: Vierstellige Logarithmentafeln. Berlin 1936.

[6] Schlosser, W.: Ruhr-Universität Bochum, Schriftliche Mitteilung vom 7.11.05.

[7] Unveröffentlichte Mitteilung von Professor Th. Klie, Theologische Fakultät der Universität Rostock vom 7.12.2005

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