Landesamt für Bodendenkmalpflege Mecklenburg - Vorpommern

Grabungsbericht

Historisches Gesamtbild der Kirche in Tribohm. Blick von Südosten

Tribohm, Kreis Nordvorpommern
Kirche, Fpl. 29

von Torsten Rütz M. A.
Lübstorf, Schloß Wiligrad
April 2005
Blick in den Chorraum. Unordnung wegen der Grabung. Das Patronatsgestühl an der Nordwand ist entfernt, der Boden aufgegraben
Abb.1 Blick in den Chorraum nach Osten

Baugeschichtliche und historische Informationen


Der mittelalterliche Feldsteinbau ist in drei Hauptphasen errichtet worden. Zunächst entstand der fast quadratische Chor der Kirche, wohl etwas später wurde die sich nördlich anschließende Sakristei aufgeführt. In einer zweiten Bauphase errichtete man das etwas über die Breite des Chores hinausreichende Schiff. Dieser Baukörper war mit dem (vorläufigen) Westabschluß des Chores bereits vorbereitet worden. So wurden die Fundamente der Ostwand des Schiffes in einem Zuge mit den Chorfundamenten ausgeführt. Oberhalb des Geländes belegen stehende Zahnungen an der Ostwand des Langhauses den geplanten Bau des Kirchenschiffes. In einer letzten mittelalterlichen Phase entstand dann der hölzerne Glockenturm westlich des Langhauses.

Der Chor ist vollständig in Feldstein aufgeführt, die Gebäudekanten werden durch sauber zugeschlagene Quader betont. Am Schiff sind die Portale dann bereits in Backstein gemauert, die Fensterlaibungen jedoch noch vollständig in Feldstein.

 

1910 wurde der Fußboden der Kirche erneuert und die heute vorhandenen Fliesen verlegt. In diesem Zusammenhang nahm man die im Chor befindlichen Grabplatten auf und stellte sie vor der Sakristei auf. In den 1950iger Jahren wurden sie dann im Fußboden der Sakristei neu verlegt. Heute sind hier fünf Grabplatten des 17. und 18. Jahrhunderts vorhanden. Die älteste Grabplatte ist vermutlich der Familie von Rethen zuzuordnen, drei Grabplatten gehören zu Bestattungen der Familie von Thun (gestorben 1725, 1728 und 1743), die jüngste Platte zur Grabanlage des 1792 verstorbenen Pfarrers Scheiner.

Übersichtsplan zur Lage der Gruften. Man erkennt vier Grüfte, teilweise einander übereckend vor dem Altar
Abb. 2 Chorraum mit Befundplan
 

Ältere anhaftende Kalkmörtelreste an den freiliegenden Ziegelsteinen belegen, daß diese Ziegel zumeist in Wiederverwendung vermauert wurden. An der erhaltenen Langseite waren drei etwa 1/2 Stein breite Aussparungen erkennbar. Hier dürften Holzbalken als Auflager für Kalksteinplatten gelegen haben, mit denen die Gruft abgedeckt war.

Grüfte 1 und 2. Zu sehen sind nur die kompliziert verlaufenden Mauerkronen. Die Grüfte selbst sind noch verfüllt
Abb. 3 Blick in den Chorraum nach Südosten, Gruft 1 links, Gruft 2 Bildmitte rechts


Als zweite Anlage wurde die Gruft 2 auf der Südseite des Chores errichtet. Sie besaß eine Breite von 1,2 m, die Länge dürfte bei 2,2 - 2,3 m gelegen haben, kann aber nur geschätzt werden, da ihr östlicher Teil bei der Errichtung der jüngsten Gruft abgetragen wurde. Ungestört blieb nur der westliche Teil der Südwand dieser Anlage erhalten. Die Wand wurde aus Mischmauerwerk (Feldstein und Ziegel) errichtet, die orangeroten Ziegelsteine (Maße - 7,4 / 27,4 / 14,4) waren in Erstverwendung vermauert. Das Mauerwerk war in Lehm gesetzt und mit Kalkmörtel verfugt. Im Zusammenhang mit dem Bau der nördlich benachbarten Gruft 3 wurde die Nordwand von Gruft 2 erneuert, im Zusammenhang mit dem Bau von Gruft 4 ist die östliche Hälfte der Gruft beseitigt und vermutlich auch die 1/2Stein breite Westwand abgetragen worden. Diese Wand konnte durch freigelegte Wandansätze in kleinen Sondierungsschnitten nachgewiesen werden.

 

Gruft 3 ebenfalls vor der Untersuchung des Inhalts
Abb. 4 Blick in den Chorraum nach Osten, Gruft 3 in der Bildmitte


Für den Bau der Gruft wurde die Nordwand der ältesten Gruft 1 beseitigt und diese Anlage vermutlich aufgegeben und verfüllt. Da der Platz zwischen den Gruftanlagen 1 und 2 sehr schmal war, kam es auch an der südlich benachbarten Gruft 2 zu Veränderungen, denn die Grenzwand zur neuen Gruft 3 - ursprünglich vermutlich 1 Stein breit wurde in verschmälerter Form von 1/2 Stein Breite neu aufgemauert. Die Gruft 2 wurde im Gegensatz zu Gruft 1 jedoch nicht aufgegeben, sondern nach der Erneuerung ihrer Nordwand neu ausgetüncht - also weiterhin genutzt.


Blick nach Westen in den Chorraum, im Vordergrund liegt der obere Rand der Gruft 4
Abb. 5 Blick in den Chorraum nach Westen, Gruft 4 links
 

Blick zur Südwand, die den Ziegelbogen zeigt, der Gruft 4 nach oben abschloss. Weitere Reste der Decke sind nicht zu erkennen
Abb. 6 Blick in den Chorraum nach Süden, Ziegelbogen in Gruft 4


Die Gruftanlagen 1 und 2 sind bereits in älterer Zeit aufgegeben worden. Gruft 1 wurde bereits für den Bau der südlich benachbarten Gruft verfüllt, Grabanlage 2 für den Bau der vierten Grabkammer. Offen bleibt, ob in diesem Zusammenhang die Grabkammern geräumt und die Bestatteten umgebettet wurden. Zumindest Gruft 2 scheint planmäßig geräumt worden zu sein, im Sondierungsschnitt wurden keine Sargreste oder Knochen beobachtet, in Gruftanlage 1 fanden sich wenige Zinnfragmente, die von der Sargzier stammten5. Menschliche Skelettreste und mehrere Fragmente von Zinnbeschlägen und eisernen Griffen, die einem barocken Sarg zuzuordnen sind, waren bereits während der durch die Gemeinde durchgeführten Abschachtungsarbeiten als Streufunde aufgetreten6.


5 Diese Fragmente wurden in der Gruft belassen.
6 Dieses Fundmaterial soll vor den weiteren Bauarbeiten in eine der Gruftanlagen rückübertragen werden.
 

Nur die Ziegel der Gruftkammer 3 weisen ein höheres Format auf. Ihnen fehlen jedoch die für mittelalterliches Material typischen Quetschfalten vom Einpressen des Lehms in die Form.

Die älteste Grabkammer 1 kann nur sehr allgemein in die Zeit zwischen dem 16. und dem frühen 18. Jahrhundert datiert werden. Das sichtbar gewordene Ziegelmaterial ist, da wiederverwendet, nicht für eine genauere Datierung geeignet. Die Anlagen 2 und 4 sind aus ähnlichem, wenn auch maßlich unterscheidbarem Ziegelmatehal mit Höhen zwischen 7,4 und 7,7 cm entstanden. Da sich die Ziegelformate im Laufe der Neuzeit verkleinern und in der Mitte und zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bereits Formate unter 7 cm Höhe üblich sind, ist dies als terminus ante quem für die Errichtung der Gruftanlagen zu werten. Die verwendeten Ziegelformate sind vor Ort am ehesten mit der Ausmauerung des Fachwerkgiebels über der ehemaligen Sakristei zu vergleichen. Diese Baumaßnahme ist bisher in den schriftlichen Quellen nicht faßbar, dürfte aber in die ersten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts zu datieren sein. Einen Hinweis darauf gibt das Andreaskreuz in der Giebelspitze. Allein auf Grundlage des verwendeten Ziegelmatehals wäre die Anlage 3 früher als die Gruftkammern 2 und 4 zu datieren - nach den Befunden zur Bauabfolge ist sie zeitlich jedoch eindeutig zwischen beide Grabkammern zu stellen.

So sind die drei jüngeren Gruftkammern vermutlich im Verlauf der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden. Die jüngste und größte der Gruftanlagen ist dabei spätestens während der barocken Neuausstattung 1745 eingebaut und in diesem Zusammenhang mit dem Patronatsgestühl derer von Thun überbaut worden.


 

Auch die drei kleineren und etwas älteren Grabanlagen sind vermutlich bereits der Familie von Thun zuzuordnen. Die fünf heute in der Sakristei liegenden Grabplatten stammen überwiegend aus dem Chor und dürften zumindest einige der langrechteckigen Gruftanlagen bedeckt haben. Überliefert ist, daß u.a. Sophia von Thun vor dem Altar der Kirche bestattet wurde. Die erhaltenen Grabplatten besitzen offensichtlich noch ihre ursprüngliche Größe, sind jedoch sämtlich zu kurz, um eine der Grüfte vollständig abzudecken. Somit müßten wenigstens jeweils zwei der vorhandenen Platten über den Grüften gelegen haben. Leider ist nicht überliefert, wo genau die Platten lagen, ehe sie 1910 aus der Kirche entfernt wurden. Denkbar ist z. B., daß die Grabplatte der Sophia Agnesa von Thun (gest. 1728) und die Platte ihres Ehemannes Otto Diederich von Thun (gest. 1743) über der Gruftanlage 3 lagen.

Durch die ursprünglich vorhandenen hölzernen Unterzüge über den Grüften ist jedoch auch denkbar, daß die Platten Nord-Süd orientiert lagen - z. B. über dem Bereich der Gruft 4, der nicht durch das Patronatsgestühl überbaut war. Da bisher keine schriftliche Überlieferung zur genauen Lage der Grabplatten vor der Entfernung aus dem Chor bekannt ist, bleibt eine sichere Zuweisung der Grabkammern spekulativ.

 

Dies ist die typische Befundlage in Kirchengebäuden. Durch die über Jahrhunderte erfolgten Bestattungen und den Einbau von Gruftanlagen ist das Erdmatehal immer wieder umgelagert und durchmischt worden und ließ so keine aussagefähige Stratigraphie entstehen. Erkennbar war in Tribohm neben der homogen durchmischten Graberde allein die über dieser Erde liegende Sandbettung für den vorhandenen nach 1900 verlegten Ziegelfußboden.


Zusammenfassung


In der im mittleren 13. Jahrhundert entstandenen Tribohmer Kirche konnten vier bisher unbekannte Gruftanlagen dokumentiert werden. Drei Grabkammern sind in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts zu datieren, die vierte ist möglicherweise einige Jahrzehnte älter. Alle Grüfte sind vermutlich für die Familie von Thun gebaut worden, die das Kirchenpatronat seit der Mitte des 17. Jahrhunderts innehatte. Zumindest die jüngste der Tribohmer Grabkammern kann in ihrer Größe den aufwändigsten Gruftanlagen der städtischen Oberschicht an die Seite gestellt werden.

© Landesamt für Bodendenkmalpflege Mecklenburg - Vorpommern, Pfarramt Ahrenshagen, 15.08.2005

 Valid xhtml + CSS-Validierung + Cynthia Tested! + A-Prompt Version 1.0.6.0 überprüft.. WAI- Stufe 'triple A'