Elmar Bodet, Techniker für Baudenkmalpflege

Instandsetzung des Glocken- und Uhrenturmes der Kirche Tribohm

2. Bauabschnitt 2005, Turmschaft

Sachbericht


Der erneuerte Turm in voller Pracht


Instandsetzung Fundamente Sockel

Nach der Freilegung der vorhandenen Findlingsfundamente/-sockel stellte sich heraus, dass diese teilweise durch frühere Reparaturmaßnahmen an den Schwellen nicht mehr ganz unter den Hölzern eingebaut worden waren und ihre Oberflächen Höhendifferenzen von bis zu 20 cm aufwiesen (Foto 07). Daraus ergab sich die Notwendigkeit, die Auflageflächen für die erneuerten Schwellen auszugleichen, was auf Empfehlung des Statikers nicht nur durch tieferes Eingraben der zu hoch liegenden Findlinge geschah, sondern durch Unterbau eines frostsicher gegründeten Betonfundaments. Es hatte sich nämlich ebenfalls herausgestellt, dass die Findlinge, wie vermutet, bei der Erbauung des Turmes tatsächlich nur auf dem Erdboden aufgelegt worden waren. Die Findlinge wurden also angehoben und auf einem ausbetonierten Streifenfundament wieder aufgesetzt, fast immer an den Stellen, wo sie sich zuvor befunden hatten (Fotos 08, 09). Zwischen die neuen Schwellen und die Findlingsfundamente wurde als Ausgleich eine Klinkerrollschicht eingemauert (Foto 10. Die Schwellen wurden unterseitig gegen aufsteigende Feuchtigkeit gesperrt.) Damit wurden die neuen, im Vergleich zu den alten dünneren Schwellen wirkungsvoll vollflächig unterfangen und aus dem Spritzwasserbereich enthoben. Der Austausch der Schwellen in einem künftigen Schadensfall ist bei stehendem Gebäude damit beträchtlich erleichtert.


Die Schwelle am Südende der Westseite (Türbereich) war ebenfalls nur noch in Resten vorhanden und mit der Südseitenschwelle unverbunden (Foto 16). Einen Eindruck vom allgemeinen Zustand des Schafttragwerkes gibt der Bereich der Südwand auf mittlerer Höhe; lose Verbindungen, teils biotisch geschädigte Hölzer und Umbaumaßnahmen späterer Zeiten, bei denen der Abbund der Ostwand, der fast genau dem der Westwand entsprechen hatte (erkennbar an den leeren Blattsassen), zu einem fragilen, nicht tragfähigen Hängewerk umgebaut worden war (Foto 17). Die Schalung selbst bestand aus einem gemischten Bestand aus älteren Eichenbrettern und jüngeren Kiefernbrettern (Foto 18), die bereits gewendet waren. Von Brettern des Bestandes wurde auf der Südseite eine Musterfläche innen angebracht. Zu den restlichen Schäden siehe Schadensbericht vom Januar 2002.

Die Reparaturen wurden weit überwiegend mit frisch eingesägtem Eichenholz ausgeführt (Foto 19). Es wurden traditionelle Reparaturverbindungen angewendet gesichert durch Edelstahl-Gewindebolzen (Foto 20). Zunächst wurden die Rähme des Bestandes unter die neuen, schon im ersten Bauabschnitt eingebauten Rähme gebolzt und damit die Ausrichtung des durch Holzschaden aus der ursprünglichen, steil geneigten Pyramidenform geratenen Turmschaftes, vorgegeben (Foto 21. Nordrähm, wiederum auf dem im ersten Bau abschnitt eingebauten Traggerüst abgestützt.) Nach der Errichtung der Nordwand wurden die gelösten Verbindungen des komplexen Tragwerkes (Fotos 22, 23) durch Aufrichten der West- und Südseiten wieder angeschlossen.


Schalung

Nach dem erneuten Einrüsten der Außenseiten (Nord- und Südseiten mit Fassadengerüsten, statt mit schmalen Konsolen an den Traggerüsttürmen, die während der Tragwerk-Instandsetzung dort standen), wurde die statisch als Zugglieder relevante Unterkonstruktion für die neue, eichene Brettschalung an die Ständer gebolzt (außenseitig mit angeschweißten Scheiben. Foto 28). Oberhalb der Längsstöße der Schalungsflächen auf halber Schafthöhe wurden dickere Hölzer an Nord- West- und Südseite angebaut, um die handbreite Überlappung der Bretter zu gewährleisten (Foto 29). Da die Rähme deutlich kürzer sind, als die Schwellen (Pyramide) war es erforderlich, die Bretter entsprechend aufzunageln, sodass die Fugendeckleisten über die ganze Höhe in einer Flucht durchlaufen (Foto 30, 31. West-, bzw. Südseite). Die Tür wurde aus der Schalung ausgesägt und mit Spangen versehen, die Schwelle nach dem Muster des Bestandes ausgearbeitet, um eine annehmbare Stufen- und eine verbesserte Durchgangshöhe zu schaffen (Foto 32). Die oberen Abschlüsse wurden an die wieder eingebauten Kopfbänder des Bestandes angepasst, das alte, restaurierte Ziffernblatt wieder angebaut (Foto 33).


Weitere Baumaßnahmen

Die zu Beginn des ersten Bauabschnittes ausgebaute Läuteanlage, sowie die im Zuge der Zimmerarbeiten ausgebaute Elektroanlage (Beleuchtung) wurden wieder eingebaut, bzw. erneuert. Die Kirchgemeinde ließ auf eigene Rechnung Zeiger und Zeigerwerk einbauen, die später an ein Uhrwerk angeschlossen werden können.

Baueinrichtung

Es wurden eine Tagesunterkunft und eine Miettoilette vom Zimmerergewerk gestellt (Foto 46), Bauzaun und Gerüste vom Gerüstbauergewerk (Foto 47) und ein Bauschild angefertigt und angebracht (Foto 48).

Die Baumaßnahmen der beiden Bauabschnitte wurden nach einem langen planerischen und Finanzierungsvorlauf innerhalb von zweieinhalb Jahren, mit eineinhalb Jahren Unterbrechung wegen fehlender Finanzierungsmöglichkeiten, durchgeführt.

Sei mäßigem Wartungsaufwand und der unverzüglichen Ausführung eventuell anfallender Reparaturen steht der weiteren, langdauernden Nutzung des Glocken- und Uhrturmes der Kirche Tribohm nichts Vorhersehbares im Wege.

Stralsund, 23.12.2005

Elmar Bodet Techniker für Baudenkmalpflege

Die Fotos sind auf mehrere Seiten aufgeteilt, um die Ladezeiten erträglich zu halten. Bitte benutzen Sie die als Links ausgelegten Seitenverweise, um die Bilder ansehen zu können.

© Pfarramt Ahrenshagen 2006
 ValidCSS-Validierung